Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 14 (25.4.1918)
- Article
- Viod
- Date
- 1918-04-25
- Page
- Seite 317 (sequence 3)
- Language
- German
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317 von der Entente beabsichtigten Form ein Unglück wäre. Ein Palästina unter der faktischen Oberherrschaft Englands wäre nichts anderes als ein zu eigenem Leben unfähiger Pufferstaat, der seine Scheinsouveränität mit den Leiden höriger Nationalitäten nach dem Vorbild Ägyptens allzu teuer bezahlen würde. Überdies haben die Ententeländer kein Recht, der Türkei gegenüber als Schutzpatrone aufzutreten; sie selbst sind für die Juden nie bessere Schutzherren gewesen als die Türken. In Deutschland haben sich nunmehr alle Richtungen vereinigt, auch die zionistische, und dabei ist klar zum Ausdruck gekommen, daß es nicht unsere Absicht sein kann, staatliche Selbständigkeit in Palästina zu erstreben, sondern daß man daselbst lediglich eine Schutzstätte für die Auswanderer zu finden hofft, wo sie in der größten Unabhängigkeit ihrem Glauben leben, ihre geistigen Kulturgüter pflegen und sich selbst als Kolonisatoren, wie bisher, bewähren können, wenn sie zugleich treue türkische Staatsbürger sein wollen. Das ist alles, was Deutschland von seinem Bundesgenossen verlangen kann, welcher zudem die Einwanderung dieser Kolonisatoren als Glück betrachten müßte. Wir erwarten von der Türkei nur, daß sie auch in Zukunft tut, was sie früher getan hat: In toleranter Weise den Zuzug der Juden nach Palästina nicht zu erschweren, soweit überhaupt die Einwanderung erlaubt ist, im Lande selbst aber ihnen absolute Gleichstellung mit allen anderen in der Türkei lebenden Untertanen zu gewähren. Das gleiche müssen wir aber auch in den Randstaaten verlängere wo auch in Zukunft die Masse der Juden ihre dauernde Heimat finden wird, sowohl in Polen wie in Litauen, in Kurland, in Finnland und schließlich auch in der Ukraine." Hier aber müssen wir uns auf di es e prinzipielle Forderung beschränken und im übrige u den Angehörigen jener Staaten überlassen, wie - l? sich'ihre Zukunft zu zimmern wünschen. Wir Deutsche begehen noch immer gar zu leicht den Fehler, im fremden Lande das gleiche einführen zu wollen, was bei uns für richtig und schön gehalten wird- Wir vergessen gar zu leicht die Verschiedenheit des Landes, des Volkes und der Entwicklungsstufe, Wir können jenen Völkern selbst nur die Richtung zeigen, die wir für die richtige halten, und die ich allerdings darin erblicke, daß die Juden dieser Randstaaten sich nicht zu eigenen politischen Nationen in der Nation selbst absondern, sondern daß sie sich auf kulturelle Selbständigkeit beschränken, im übrigen aber sich möglichst eng dem Leben der Nation, der sie angehören, einfügen. Wir deutschen Juden müssen es aber vor allem durchaus vermeiden, jetzt als unerwünschte und ungerufene Reformatoren und Beglücker in diesen neuen Staaten aufzutreten. Dann würden wir uns nur gar zu leicht dauernd unbeliebt machen, Zwietracht in das Volk bringen, das wir beglücken wollen, und Enttäuschungen erleben, die schon oft erlebt wurden, wenn man in allzu hartnäckig schulmeisterlicher Weise das, was daheim gut ist, in eben der Form anderen Völkern aufdrängen will. „Der Philister negiert nicht nur andere Zustände, als