Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 14 (25.4.1918)
- Article
- Viod
- Date
- 1918-04-25
- Page
- Seite 316 (sequence 2)
- Language
- German
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316 schwer wird, diese primitiven Gefühle zu unterdrücken, richten sich selbst. Uns kann jedenfalls diese fragwürdige Gesellschaft unsere Liebe zum Vaterland nicht mindern, für das wir, ebenso wie die Christen, in diesem wie in den früheren Kriegen Blut und Gut hingegeben haben. Ob beliebt oder unbeliebt — für jeden Juden gilt wie für jeden Deutschen das Wort: Tue Recht und scheue niemand! Handelt es sich in Deutschland nur darum, die im Grundsatz längst festgelegte Gleichberechtigung zu sichern, so ist im Osten erst die Grundlage für die Verständigung zu schaffen» Hier ist den deutschen Juden eine schwere und schöne Aufgabe gestellt. Sie können dem ganzen Problem der Judenfrage, und das heißt insbesondere der Ostiudenfrage, nicht ausweichen, ob sie wollen oder nicht. Man kann ihnen sogar den Vorwurf machen, daß sie sieh nicht längst dieser Aufgabe energischer als bisher angenommen haben. Schon auf dem Berliner Kongreß spielte die Judenfrage hinsichtlich Rumäniens eine große Rolle. Die damals getroffenen Abmachungen sind von Rumänien in unerhörter Weise mißachtet worden. Man hat es verstanden, durch advokatorische Winkelzüge die auf dem Kongreß gemachten Versprechungen illusorisch zu machen. Die Folge war, daß sich in diesem Lande rumänische Juden befanden, die zwar sämtliche militärischen, steuerlichen und bürgerlichen Pflichten zu übernehmen hatten, aber das Bürgerrecht als solches nicht erhielten. Es muß dafür gesorgt werden, daß die jetzt zu machenden Zusagen in solcher Form gegeben werden, daß derartige Umgehungen unmöglich sind. Durch künstliche Mittel zur Staatenlosigkeit herabgewürdigte Juden fallen nicht nur dem eigenen Lande zur Last; solche Zustände wirken auf die Lage der Juden in der ganzen Welt zurück. Vor allem aber ist die Ungerechtigkeit, die in einem solchen Verfahren liegt, ebenso unwürdig für den, der sie begeht, wie für den, der sie duldet und doch die Macht hätte, ihr zu steuern. E& handelt sich aber auch darum, in denjenigen „Randstaaten41, in denen wir jetzt versuchen, Ordnung zu schaffen, Grundsätze zur Geltung zu bringen, die für diese Randstaaten selbst, wie für uns als Nachbarland, von dauernder Bedeutung sind. Diese Fragen sind dadurch neuerdings verwirrt worden, daß von feindlicher Seite der Gedanke des Judcnstaatft in Palästina wieder in den Mittelpunkt der Erörterungen gerückt ist. Unsere Ententefeinde haben mit der ihnen eigenen Geschicklichkeit längst diese Judenfrage aufgegriffen, um aus; ihr politisches Kapital zu schlagen. Präsident Wilson versucht, sich damit in'soinem Lande bei den zahlreichen Juden beliebt zu machen, aus politischen Gründen und um dauernd Anhänger seiner Partei zu gewinnen. England will, indem es einen „selbständigen" Staat in Palästina schafft, das Land der türkischen Oberhoheit entreißen und sich eine Brücke von Ägypten nach Indien bauen. Das Ziel, das die Angloamerikaner sich damit setzen, hat eine doppelte Bedeutung: eine territoriale für die Engländer und eine politische für die Amerikaner. Hierbei wird aber nur zu leicht aus den Augen gelassen, daß ein solches Ziel für die Betroffenen, nämlich für die Juden selbst, in der