Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 14 (25.4.1918)
- Article
- Viod
- Date
- 1918-04-25
- Page
- Seite 318 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2908689-2908714-2908727-2910847--1626-2910864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SIS der ©einige ist, er will, daß alle übrigen Menschen auf sbine Weise existieren sollen.*4 (Goethe.) Werden den Juden in jenen Ländern die gleichen politischen Rechte gegeben und können sie sich wirtschaftlich genau so wie die an deren Bürger jener Staaten betätigen, so verschwindet auch die Gefahr der Auswanderung. Dann wird ohne künstliche Hilfe der Zustand eintreten, den ich für den -richtigen halte: daß jedes Land seine eigenen Juden festhält. Daß mit der Gesetzgebung nicht alles Nötige getan ist, wissen wir in Deutschland selbst am besten. Den Gesetzen muß die Sitto folgen. Dieser Prozeß dauert oft recht lange. Es gibt nur einen Weg, um die Gesetze auszuführen, aber tausend Wege, um ihre Ausführung zu durchkreuzen. Auch gegen solche Methoden müssen Sicherungen geschaffen werden. Das erste Ziel der neuen Vereinigung wird also sein, programmatische Richtlinie!! auszuarbeiten, welche die deutsche Regierung gemeinsam mit den Regierungen der Zentralmächte sowie der östlichen und der Baikanstaaten im Rahmen ihrer Politik weiter bearbeiten und ausführen kann. Wir müssen dabei lernen, mit losen Zügeln zu reiten, und die Ehrfurcht vor dem Althergebrachten, die von je in den Deutschen und den Juden gleich stark war, darf uns auch bei der Beurteilung der in Frage kommenden Staaten nicht verlassen, wenn wir auch immer glauben mögen und oft zu glauben berechtigt sind, daB wir in der Entwicklung in vielem eine höhere Stufe als jene erklommen haben. Es gibt für uns zwei Möglichkeiten, die Judenfrage anzusehen: Vom Judentum aus, das durch Jahrhunderte furchtbarer Leiden das Bewußtsein seiner auf Geschichte und Glauben begründeten Einheit nie verloren hat, und daß heute hoffen darf, nach dem Kriege würdigere Lebensbedingungen in jedem Lande, vor allem aber für die unglücklichen Juden des Ostens, zu finden; und von der weltpolitischen Lage aus, die stärker als je den Schutz der Minderheiten in den Vordergrund der Bestrebungen und Erörterungen gerückt hat. Die deutschen Juden haben das Glück, daß diejenige Lösung der Frage, die sie am meisten befriedigt, sich zugleich am meisten mit den dauernden Interessen der deutschen Reichspolitik und mit den Interessen der Zentralmächte überhaupt deckt, wenn diese auch in Zukunft darauf verzichten, in ihren Ländern die Juden nach dem Prinzip des divide et imperla gegeneinander auszunutzen. Hier eröffnet sich der neuen Vereinigung ein Arbeitsfeld, das nicht nur für das Schicksal der Juden, sondern für die ganzfc innere und äußere Gestaltung der Völker und für den Fortgang der Menschheit zu gerechteren Daseinsformen von unabsehbarer Bedeutung werden kann.