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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-10 · Heft 13 (10.4.1918) · p. Seite 303

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 13 (10.4.1918)
Article
Die Judenfrage als nationales Problem
Date
1918-04-10
Page
Seite 303 (sequence 5)
Language
German
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303 Judenheit allerdings erst von der Entente anerkannt worden. Mit feinem, sicherem Gefühl für die moralischen Faktoren im Völkerleben hat die Entente die Forderung der Juden gerade in dem Moment zu der ihrigen gemacht, als die alte sagenumwobene Hauptstadt des jüdischen Landes in ihren Besitz gelangte. In der Judenheit werden sich natürlich nur wenige darüber tauschen, daß es das imperialistische Ziel Kap- Kairo-Kalkutta ist, für das die Engländer den Kampf um Palästina aufgenommen haben. Aber wie die Polen nicht danach fragen, aus welchen Motiven heraus die Zentralmächte ein neues Polenreich wieder entstehen lassen wollen, so werden auch die Juden Palästina aus denjenigen Händen nehmen, von denen sie es erhalten können. Lieber wäre es den Juden gewiß, wenn ein ihnen gehörendes autonomes Palästina ein Teil des türkischen Imperiums bliebe. Als angelsächsisches Protektorat bestände immerhin für den Zionismus die Gefahr, daß das nationale Eigenleben der Juden in Palästina durch fremde Einflüsse in seiner Entwickelung gehemmt, daß es dem Dienst des Machtgedankens des britischen Imperiums unterworfen werden könnte. Was als jüdische Lebensnotwendigkeit angesehen werden kann, ist nicht die Losreißung Palästinas vom türkischen Reich, nicht die Konstituierung des Landes als unabhängiger Staat, sondern das Recht auf dessen geschlossene Beaedelung, die sich mit der türkischen Oberhoheit zwanglos vereinbaren ließe, wenn sich die türkische Regierung mit der völligen nationalen Autonomie der Juden abfinden könnte. Die jüdischen Interessen an Palästina stehen mit den Lebensnotwendigkeiten des Osmanischen Reichs durchaus nicht im Widerspruch. Im Gegenteil. Nach den verwüstenden Wirkungen dieses Krieges hätte gerade die Türkei es überaus nötig, daß brachliegender Boden in werteschaffender verwandelt, wird. Die Juden sind nun in der Tat dasjenige -Volk, das zur Neukolonisation Palästinas geradezu berufen ist. Man muß es daher auch sehr bedauern, daß hochstehende und einflußreiche Türken, wie z. B. Djemal Pascha, so gar kein Verständnis aufbringen können für die Vorteile, die die Türkei aus einer jüdischen Autonomie Palästinas erwachsen würden. Daß die Judenheit einen Rechtsanspruch auf eine nationale Heimstätte in dem Lande ihrer Väter hat, kann von niemand mehr bestritten werden. In allen Teilen der Welt nationale Minorität, muß das Judentum naturgemäß danach streben, das Land, von dem einst ihre geistigreligiöse Kultur ausging, für sich zurückzugewinnen, und zwar in dem Sinne einer nationalen Heimstätte, die es mit keinem anderen Volk zu teilen braucht. Das Ziel kann erreicht werden, ohne die Rechte anderer Nationalitäten zu verletzen. Heute ist Palästina ein ödes menschenarmes Land. Durch intensive Kolonisation könnte dieser älteste Kulturboden der Menschheit wieder zurückgewonnen werden.. So wichtig es auch ist, daß hier ein möglichst großer Teil der Juden, die ihr Geburtsland verlassen müssen, Unterkunft finden könnte, so liegt die eigentliche Bedeutimg der Neukolonisation Palästinas aber nicht darin, sondern in. dem Umstände, daß hier ein Raum geschaffen werden soll, der den Juden allein gehört, ein nationales Zentrum, dessen Bedeutung <kv durch, daß es immer nur einen Teil der Judenheit umfassen kann,

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