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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-25 · Heft 12 (25.3.1918) · p. Seite 283

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 12 (25.3.1918)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1918-03-25
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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2S3 richtige Erklärung dieses Ausdrucks: „ohne Mittler". Das gesamte Problem der Mitteilung wird mit diesem einen Worte gelichtet und erledigt. Indessen der biblische Bericht arbeitet sich in seiner epischen Naivität zu voller Konsequenz hindurch. „Von Angosicht zu Angesicht hat der Ewige mit Euch geredet am Berge aus dem Feuer heraus." Also auch mit dem ganzen Volke hat Gott von Angesicht zu Angesicht, mithin von Mund zu Mund geredet. Die Vorzugsstellung .Moses wird hinfällig: er teilt sie mit dem gesamten Volke. Und dies? Anrufung des Volkes selbst für seine Ebenbürtigkeit mit Mose zum Empfange der Offenbarung fördert nicht minder das nationale Bewußtsein, das zum. Verständnis seiner Mission erweckt werden soll. Immer aber bleibt noch der Verdacht der Materialisierung des göttlichen Geistes an der sinaitischen Erscheinung. Dil ist es denn nun, man möchte sagen, ein literarisches Wunder in diesem ganzen Prozeß der nationalen Selbstvergeistigung, daß es im Deuteronomium heißt: „nicht mit euren Vätern hat der Ewige diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir diese hier heute allesamt lebendig sind." Mit einer solchen Häufung der demonstrativischen Partikeln wird von der ganzen Vergangenheit abgerückt und der Schauplatz der Offenbarung in die Gegenwart verlegt. Und so wird der große Gedanke vorbereitet, mit dem das Deuteronomium die Herkunft der Thora von der gesamten Außenwelt abwendet, um sie einzig und allein in dem Geiste des Menschen selbst zu begründen. In dieser großen Rede in den Gefilden Moabs, die ich nicht anstehe als das größte Kunstwerk in der gesamten Literatur der Rethorik zu bezeichnen, wird dieses angebliche Mysterium der Offenbarung schlicht und bündig gelöst. „Denn diese Lehre ist nicht wunderhaft verborgen und nicht fern von dir, so daß du sprechen müßtest: wer steigt uns hinauf zum Himmel und holet sie uns . . . sondern in deinem Munde und in deinem Herzen ist sie, um sie auszuführen,'4 Jetzt ist der letzte Schatten von der reinen Geistigkeit der Offenbarung verscheucht. Die Lehre ist nicht im Himmel, sondern sie ist im Munde, in dor Sprachkraft und im Herzen, mithin auch im Geiste des Menschen. Sie ist dem Menschen nicht .von außen gekommen, sondern sie entstammt seinem eigenen Innern; sie wurzelt in seinem Geiste, den Gott, der Einzige, in den Menschen gepflanzt hat, als den heiligen Geist, als den Geist der Heiligkeit, und das ist der Geist der Sittlichkeit. Ist jetzt etwa noch die Offenbarung ein Rätsel? Ist sie nicht die genaue Folgerung aus dem Begriffe des einzigen Gottes? Der einzige Gott allein kann die einzige Sittlichkeit offenbaren; die Sittlichkeit, die nicht geteilt und verschieden sein kann in den einzelnen Menschen oder in den einzelnen Völkern, sondern die nur eine einzige sein kann in der unendlichen Geschichte des Menschengeschlechts. Und diese einzige Heiligkeit hat ihren hinlänglichen Grund im Herzen des Menschen. Diese Herkunft vom Menschen ist kein Wider-

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