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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-25 · Heft 12 (25.3.1918) · p. Seite 282

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 12 (25.3.1918)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1918-03-25
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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2Ö2 begründet wird. Und diese Sittenlehre dringt ebensosehr ein in das tiefste Innere.dos Menschen, in sein Begehren und Gelüsten, wie in die soziale Gestaltung seines Staatswesens. Daher steht der Sabbat mit seiner Befreiung des Sklaven und des Mietlings vom ununterbrochenen Arbeitsdienste im Mittelpunkte dieser Quintessenz der Sittenlehre. Auch der Terminus, mit dem die Offenbarung bezeichnet wird, weist in naiver Bestimmtheit jeden Schein der Enthüllung und Entschleierung ab: „die Gabe der Thora" (Mathan Thora). Audi mit Gabe wird das hebräische Wort nicht genau übersetzt. Denn die Gabe ist ein Objekt, das gegeben wird. Mathan aber ist nicht Mathana, Es müßte also, übersetzt werden dürfen, wenn dieser Wortgebrauch üblich wäre:, die Gebe, nämlich die Gebung. Auf die Mitteilung allein also kommt es dem jüdischen Sprachgeiste an. Und diese Mitteilung ist ein Sich-Geben Gottes, wie er sich in allem gibt, was von ihm ausgeht. Über die Art dieser Mitteilung grübelt der religiöse Geist des Monotheismus nicht, es sei denn, daß er eifrig beflissen ist, alles Körperliche, alles Materielle von diesem Gedanken der Mitteilung des einzigen Gottes fernzuhalten. Er schafft den Geist des Manschen; er schallt diesen Geist als den heiligen Geist, als den Geist der Heiligkeit. In dieser Schöpfung allein schon lösen sich alle Rätsel, die man in der Mitteilung Gottes an den Menschen suchen könnte. Der Mosaismila ist jedoch nicht nur eine theoretische Lehre, sondern zugleich die Darstellung von Israels Geschichte. Das. Volk mußte an seine Geschichte, an seine Entstehung vorab geinahnt werden, damit das nationale Bewußtsein erfüllt werde von seiner geistigen Aufgabe, und damit diese zur Erfüllung gelange durch das Selbstgefühl und die Begeisterung des Nationalgeistes. Der Höhepunkt dieser inneren Geschichte Israels bildet die Lichtgestalt Moses. Er durfte wahrlich nicht zu einem Heros werden, nicht zu einem Halbgott, geschweige zu einem göttlichen Mittelwesen. Aber nichtsdestoweniger war es unvermeidlich, daß die Offenbarung zunächst durch ihn vermittelt wurde, daß die Tafeln des. Dekalogs durch ihn herabgebracht werden. Eine solche Lichtgestalt mußte das Dunkel des Mythos durchbrechen, wenn anders durch den geschichtlichen Sinn für den Geist des einzigen Gottes der Zugang erschlossen werden sollte. Es ist charakteristisch, daß im jüdischen Bewußtsein Mose als „unser Lehrer Mose14 eingewurzelt ist. Er ist nicht etwa unser Offenbarer, sondern nur unser Lehrer. Auch die Vermittlung, die er zwischen Gott und dem Volke zu übernehmen hat, wird schlechthin nur als Lehre gedacht. Alle geistige Vermittlung ist Belehrung. Es entspricht dem primitiven Ton der biblischen Geschichte, daß die Auszeichnung Moses durch Gleichnisse bezeichnet wird, welche die Grenze der Geistigkeit berühren. So wird der Ausdruck nicht gescheut, daß Gott'„von Mund zu Mund14 mit Mose redete. Sowenig aber Gott überhaupt einen Mund hat, sowenig kann er auch zum Munde Moses reden. Ihn Esra gibt in seiner lapidaren Sprache die

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