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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-25 · Heft 12 (25.3.1918) · p. Seite 279

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 12 (25.3.1918)
Article
Wege und Irrwege
Date
1918-03-25
Page
Seite 279 (sequence 9)
Language
German
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27$ drücklich wird betont, daß der „Weg" nach Zion nicht durch die Straße des Wahnsinns führen und sich mit ihr nicht berühren kann". Hier spricht der Geist, der diese Welt verneint. Die Welt? Oder nur den Krieg? Zunächst nur diesen. Aber man kann den Krieg nicht negieren., ohne gleichzeitig alle seine Voraussetzungen zu negieren: Die materialistisch-ökonomischen Geschichtszusammenhänge mit ihren Erscheinungsformen Kapitalismus, Imperialismus, Streben nach Macht und Entwicklung und wie alle jene Worte heißen, die die Massierung ökonomischer Kräfte und den dadurch erzeugten Spanndruck bezeichnen. Eine solche Massierung liegt aber in jeder organisierten Menschenzusammenballung, in jeder Kolonisation. Jede Einwanderung in Palästina schafft dort M.achtzentren, die nach Entfaltung und Erweiterung drängen: ein Prozeß, der nur auf Kosten anderer erfolgen kann und eine Vergewaltigung oder eine Auseinandersetzung nach sich ziehen muß. Diese nimmt nicht stets die Formen des Krieges an, aber hier handelt es sich ja nicht darum, die Form, sondern das Wesen zu verneinen. Folgerichtig erklärt Bub er auch, im Judentum den Gegen - s a t z z um Begriff Macht ü b e r h a u p l z u s e h e n und nennt sich für den Fall, daß Politik und Machtbegriff untrennbar sind, einen AntiPolitiker. Folgerichtig konstruierte er eine „Eroberung Palästinas'' als „Diktatur des schöpferischen Geistes" über dem verruchten „Ungeist des Merkantilismus" und in seiner Befehdung und Vrrkennung der vorerwähnten materialistisch-ökonomischen Gesehichtszusammenhänge kennt er keine größere Furcht als die, daß die „Möglichkeiten des Landes" entdeckt werden und daß man dort „Unternehmen wittert". Der für einen mit seiner Zeit Schritt haltenden Juden selbstverständliche Gedanke, daß die Erschließung Palästinas nach den modernsten Gesichtspunkten des Sozialismus und der Sozialpolitik zu erfolgen hat, soweit diese schon zeitgemäß sind, wird in seinem Munde zu einem Bannfluch gegen alles ökonomische. Materialistische an sich. Aber haben wir nicht am Bolschewikeritum zur Genüge erfahren, was eine schrankenlose „Diktatur des Geistes", ein diktatorisches Aufbauen eines Staatswesens auf extrem ideologischer, anorganischer Grundlage zu bedeuten hat'? Werden wir uns klar über Bubers Antipolitik, Sie ist, im Namen des moralischen Judentums, die Ablehnung jeder weltlichon Staatenbildung überhaupt, Denn wie sollte eine solche möglich sein, wo dauernd gepredigt wird, daß jegliche Art irdischen Lebens mit trimm ökonomischen Ungerechtigkeiten — im späteren Verlauf auch jede Art staatsnotwendiger Sicherung politischer und wirtschaftlicher Interessen — mit den menschlichen und göttlichen Gesetzen im Widerspruch steht? Wo man gerade von dieser einen Staatenbildung verlangt, daß sie unter Hintansetzung des organischen Werdens auf der dogmatischen Grundlage dieser Gesetze erfolge? Hinter den Mauern des Klosters kann man die Dekrete des diktatorischen Geistes verwirklichen: eine Menschengemeinschaft zu bilden, die mehr als ein Halb-

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