Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 12 (25.3.1918)
- Article
- Wege und Irrwege
- Date
- 1918-03-25
- Page
- Seite 276 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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276 rung erleiden würde, seine Folgerung, daß Palästina daher ein „Zentrum" nie in ökonomischer, sondern höchstens in geistiger Hinsicht werden könne,' wurde in das Schlagwort vom „geistigen Zentrum" zusammengepreßt und umgeformt, „ökonomisches Zentrum" wurde allmählich eine verfehmte Vorstellung, aber abweichend von Achad Kaum richtete sich die Verfehmung bald nicht mehr gegen den Zentrumsbegriff, sondern gegen das ökonomische überhaupt. Man nutzte die Gelegenheit, sich um die Massendinge, um das Gallith (es wäre ja doch rettungslos dem Untergang geweiht, beruhigte man sein Gewissen) noch weniger als bisher zu kümmern, man .beschränkte sieh noch mehr auf die geistigen Dinge. Es bildete sich eine Gemeinde, die in nichts mehr an eine politische Volksorganisation erinnerte. Die Erlösung der Juden h e i t schrumpfte auf die Erlösung des Juden t u m s zusammen. Und mit logischer Konsequenz begann man sich gegen die Identifizierung mit dem jüdischen Volk, die man dem Zionismus bisher von gegnerischer Seite so verargte, selbst zu sträuben. Das jüdische Volk, bescheidet sich Robert Weltsch im Dezemberheft des „Juden", ist ein Volk wie jedes andere, d. h. eine Summe ökonomischer, irdischer, weltlicher Kräfte. Aber innerhalb dieses Volkes hat der Zionismus die Rolle des — rund herausgesagt — Moralismus zu übernehmen, die Gruppe der unirdischen, heiligen, jenseitigen, sittlichen Kräfte zu verkörpern. Dies ist nur ein — wenn auch vielleicht das aufrichtigste — Symptom einer Richtung, die jede Hinoinmengung des Zionismus als realen „politischen Faktors'4 in die Weltpolitik ablehnt, weil ihr Reich nicht von dieser politischen und imperialistischen Welt ist (Buber im Heft 5/6 des „Juden"), die selbst die Kolonisation in Palästina als rein religiöses Phänomen zu interpretieren versucht (B r o d in der „Neuen Rundschau" Nr. 9), die gegen das Taylorsystem als .unjüdisch polemisiert mit Gründen, wie sie eben nur dem Dichter und Mystiker in seiner Abneigung gegen das ökonomische Leben zu eigen sind (Brod im „Juden") und die mit der gleichen Begründung schon jotzt über den Gedanken einer Frauenarbeit in Palästina stolpert (Epstein im Dezemberheft des „Juden"). Sehr mit Recht hat dann Moritz Hoimanii im Dezemberheft der „Neuen Rundschau" Einwände erhoben, die darauf hindeuten, daß auch er nur in einer Mönchsklause, nicht im wirklichen Leben eine solche Richtung für gestaltungsfähig hält. b) Die Verwoltlichung. Die letzterwähnten Dinge fallen bereits in die Kriegszeit und enthalten also schon zum Teil eine Antwort auf unsere Frage. Zwar wissen wir nicht, inwieweit dieser Krois der Gemeinschaft tatsächlich als Exponent der geistigen Einstellung des deutschen Zionismus betrachtet werden darf (und die starke, gerade aus jüngeren Kreisen stammende Opposition auf dorn letzten Delegiertontag Dezember 1910, die gegen die „Ideologie und Verstiegenheit" scharf Stellung nahm, spricht dagegen), aber daß der Krieg bei einem großen Teil der