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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-25 · Heft 12 (25.3.1918) · p. Seite 275

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 12 (25.3.1918)
Article
Wege und Irrwege
Date
1918-03-25
Page
Seite 275 (sequence 5)
Language
German
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275 klären, galt als eine ethische, sittliche Pflicht. Es scheint, als hätten wir hier die Ursache dafür zu suchen, daß d er deutsche Zi onismus von vornherein und s pä t e r immer mehr einen so starken moralischen Einschlag* bekam. Daß diese Tendenz durch efen deutschen Geist verstärkt wurde, war bei dem damaligen hohen Grad tatsächlicher Assimiliertheit nur begreiflich. Und die dem Deutschen innewohnende Eigentümlichkeit, auch nüchterne Fragen mit einem Überschwang an Gefühl und einem Aufwand schöner Gesten zu behandeln, vereinigte sich mit der alten jüdischen Sittlichkeitstendenz zu einer besonderen Art von moralischem Zionismus. Er erzog seine Anhänger in dem Dogma, daß sie die Anständigeren, Sittlicheren, Ethischwert volleren im Judenvolk wären und jeder Nichtzugehörige schien ihnen minderwertig. Die Überraschung, unter diesen hie und da auch völlig Einwandfreie und Gleichwertige zu finden, war dann nicht minder groß, als wenn man in seinen eigenen Reihen solche erkannte, hinter d(/n>n Zugehörigkeit zur Bewegung sich ihre sittliche oder geistige Indifferenz und Bedeutungslosigkeit nur notdürftig verbarg. Die philantropische Begründung mußte im weiteren Verlaufe fallen gelassen werden, da sie keine ausreichende Befriedigung brachte. Das Egoistische verlangte dem Altruistischen gegenüber sein Recht. Aber, wie es nur zu häutig in der Geschichte geistiger Bewegungen geschieht: damit, daß eine Ursache verschwindet, verschwinden noch keineswegs die seinerzeit durch sie bewirkten Folgeerscheinungen. Der M o r a •■ I i s m u s b 1 i c b. Ja, er wuchs immer mehr und da er sich an neuen Quellen speisen mußte, holte er sich diese aus Gebieten, die den realen und ökonomischen Dingen noch ferner lagen als die Philantropiu. die doch wenigstens eine Brücke zu ihnen behielt. Er wurde religiös, metaphysisch, er vergeistigte sich. Das nannte man dann: „Die Nationalisiert! n g d e r J u g e n d". Aber da es die deutschen geistigen Dinge waren, die man bisher als fast einzige kannte — sprach doch keiner hebräisch —, so nahinen diese und das Verhältnis zu ihnen die stärkste Rolle ein, der d e u t s v b e Z i o n i s m u s w urde deutsc h. In einander verbissen und doch mit dem Drang nach Lösung und Abgrenzung entstand ein deutschjüdisches Kulturchaos, in dem das ganze Deutschtum von Fichte bis Wyneken von ausschlaggebender Bedeutung war1). Die Tatsache, aus welcher der Zionismus einst geboren wurde, die Tatsache von den 12 Millionen lebendigen Menschen, denen es eine normale völkische, Lebensgrundlage zu schaffen galt, trat zurück. In ärgstem Mißverstehen nunmehr auszugsweise verdeutschter Ideen' von Achad Haam wurden diese nutzbar gemacht. Sein Hinweis, daß Palästina nie mehr als den Geburtenüberschuß der Juden aufzunehmen in der Lage wlire, daß also durch seine Besiedlung die Lage des Gallith-Judentums keine Verilnde- 2) Der Einfluß und die Terminologie des ersteren ist deutlich bei den l'rager .,Bar Kochbauern4", Weltsch, Hermann, auch bei Mumenfeld nachweisbar. Und was Wvneken betrifft, so bemüht sich sein Schüler Siegfried Bernfeld ernsthaft.'" seine Ideen ins Jüdische zu übersetzen.

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