Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 11 (10.3.1918)
- Article
- Zur Begründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-03-10
- Page
- Seite 257 (sequence 4)
- Language
- German
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..........................______..........._...........257 von der religiösen Isolierung abwendig zu machen und für die scheinbar einheitliche moderne Kultur ihn zu gewinnen. Schon aus dem apologetischen Gesichtspunkte bleibt die Anzahl der Rabbiner unzulänglich, um den Geist des Judentums gegenüber der Mannigfaltigkeit der modernen Kultur zu vertreten. Die lebendige Religion, als Kulturreligion, erfordert für ihre Behauptung und Fortbildung den freien Geist der Wissenschaft und demgemäß Männer der gelehrten Forschung, welche nicht zugleich die Träger des geistlichen Amtes sind. Der Unterschied der neu zu begründenden Akademie von allen bisherigen wissenschaftlichen Organisationen, und dieJErgänzung, welche sie ihnen allen darzubieten strebt, besteht sonach schlechthin darin: daß sie die Personen herbeizuschaffen sucht, welche jene, sei es als Lehrer, sei es als Forscher, für die herauszugebenden Werke erfordern. Wie die Lehranstalten, so wird auch die Gesellschaft zur Förderung usw. von dein Vertrauen getragen, das aus dem Rabbinerstande heraus Kräfte zur Übernahme der wissenschaftlichen Aufgaben sich bereit finden werden. Daher kann aber die Anzahl dieser disponibeln Kräfte nur ebenso spärlich sein und ihre Auswahl nur ebenso schwierig, wie die der Lehrkräfte ist. Diesen Übelständen soll die Akademie abhelfen. Wir wählen mit Absicht diesen Namen, der auch für die gesamten Wissenschaften nur erfunden worden zu sein scheint, um die Gelehrten der verschiedenen Fächer zusammenzufassen, zugleich aber auch um sie in lebendige Wechselwirkung zu versetzen und dadurch ihre Kraft und ihr Aufblühen zu befestigen und zu sichern. Für die allgemeinen Wissenschaften bedarf es gemeinhin nur einer solchen idealen Vereinigung, die zudem durch Subventionen bestärkt wird. In unserem Spezialfälle dagegen ist unserer sozialen Lage gemäß die Sicherung des Lebensunterhaltes unbedingt erforderlich, wenn wir auf Zuwachs und auJUununterbrochenen Fortbestand eines jüdischen Gelehrtenstandes sollen rechnen dürfen. Daher muß es die Aufgabe der Akademie sein, durch die sie sicii vollends von allen analogen Anstalten unterscheidet: gleichsam eine Vorsorgeanstalt für die jüdischen Forscher zu werden. Der jüdische Student soll wissen, daß es für die materielle Lebensstellung keine verlorene Sache sei, der jüdischen Wissenschaft seine Studien zuzuwenden; daß er vielmehr die Aussicht habe, nach Vollendung derselben zu einer Besoldung zu gelangen, die ihn zunächst vor materieller Gefahr schützt und die ihm zugleich die Möglichkeit gibt, als Lebenswerk seine Studien und seine wissenschaftliche Entwicklung fortzuführen. Man weiß, wie sehr die statistischen Erfahrungen über die Frequenz in den Lehrfächern von Jahr zu Jahr die öffentlichen Studienwahlen beeinflußt. Wie sollte es in unseren engeren und dürftigeren Verhältnissen anders sein können? Wer bisher nur im Rabbinat die Möglichkeit seiner materiellen Versorgung sehen konnte, wird fortan im Hinblick auf die Akademie sich frei entscheiden können, ob er unter den Geisteswissenschaften auch die der jüdischen Altertumswissenschaft sich zur Wahl stellen kann.