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Neue jüdische Monatshefte · 1918-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1918) · p. Seite 236

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 9-10 (10.2.1918)
Article
Und das Krumme wird gerade
Date
1918-02-10
Page
Seite 236 (sequence 3)
Language
German
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236 Leben, mein Ende ist nahe, in meiner Sünde werde ich sterben, aber Kreindel Tscharne wird von der Sünde erlöst. Kreindel Tscharne wird für ewig erlöst, und ich bin sowieso verloren. Von Gott und Menschen vergessen, wird man mich im Dunkel verscharren, und das Andenken an mich wird bei den Leuten verloren gehen." Und wahrhaftig, eine Art Weissagung war seinem Munde entflohen, denn der Todesengel hatte sich schon an seine Ferse geheftet. Und Menascheh Chajim blieb in der Halle beim Friedhof und ging nie von dort fort. Und es kam ein Tag, da stand der Totengräber, der auch in Holz und Stein Grabmäler für die Toten machte, bei einem großen und schönen Grabstein und meißelte seine Sache ein, und seine kurze Pfeife hing ihm aus der Ecke seines Mundes, und er rauchte und gab sich Mühe, ihn zum Ende der Vollkommenheit zu bringen. Und wie erstaunte Menascheh Chajim, als er diesen Grabstein sah, und siehe, sein Name glänzte aus seinen Zeilen heraus, wirklich sein Name und der Name seines Vaters, und Hände sind darüber ausgebreitet, wie die der Priester beim Segeri, zur Erinnerung daran, daß der Abgeschiedene, dem man den Grabstein auf sein Grab stellen wird, mit der Krone des Priestertums gekrönt war. Und obwohl Menascheh Chajim mit ganzer Seele auf seinen Tod hoffte, stand er doch erschrocken da, wie ein Mann, der in der Nacht von Hoschanah Rabbah an der Wand seinen Schatten nicht sieht. Und als sein Sinn sich ein wenig beruhigte, da wunderte er sich nicht, wer der ist, und welcher das ist, den sein gutes Herz dazu bringen könnte, ihm einen so prächtigen Grabstein hinzustellen, sondern worüber staunte er? Dieser Totengräber, der ihn niemals beim Namen ruft, und wenn er ihn ruft, ruft er ihn einfach: „Hör bitte, Herr Jude," woher weiß er seinen Namen und den Namen seines Vaters? Aber bald erkannte er, daß der Gedanke nur Wind war, und er sprach: „Eitelkeit der Eitelkeiten. Denn siehe, dieser Wächter, der selbst nichts zu leben hat, könnte es ihm in den Sinn kommen, mir meine Ruhe mit einem so teuren Grabstein zu verschönern? Und womit verdient es ein Sünder wie ich? Es ist . ein Rätsel und bleibt ein Rätsel." Und dennoch forschte er nicht nach und fragte nicht und erkundigte sich nicht, was die Sache bedeutete. Denn seit dem Tage, an dem er sich wieder von Buczacz fortgewandt hatte, war ihm die Bewegung des schwersten Glieds unter seinen Gliedern leichter als die Bewegung der Zunge. Und er schwieg, und damit der Wächter nicht merken sollte, daß hier etwas zum Staunen war, wandte er sein Gesicht zu den Kindern des Wächters, die in den Särgen der Toten Verstecken spielten, und tat, als ob er den Klagen der .verwaisten Mutter zuhörte, der Wahnsinnigen, die jeden Tag auf den Friedhof kommt, um das Grab ihres Säuglings mit der Milch ihrer Brüste zu tränken. Aber der Wächter spürte, daß im Herzen dieses Armen irgend etwas versteckt war, und weil er sich auch selbst über die Geschichte dieses Grabsteins, den seine Hände schufen, ein wenig gewundert hatte, wie es im folgenden angedeutet ist, hatte er den Verdacht, daß es Irgendein Band zwischen dem Armen und diesem Grabstein gäbe. Aber

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