Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1918)
- Article
- Die Juden in der galizischen Wirtschaft
- Date
- 1918-02-10
- Page
- Seite 216 (sequence 2)
- Language
- German
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216 und ersetzte es — oft unter gleichzeitiger harter Bestrafung der Widerspenstigen — durch das Polnische; aber wenn man das weiß, und wenn man nunmehr die beiden neuen Tabellen „Umgangssprache" und „Konfession" so verarbeitet, daß man die Juden aus der Rubrik „Polnisch sprechen" heraussondert und als eigene Gruppe auftreten läßt, erhält man groteske Resultate. Betrachten wir zunächst einmal die offiziellen Zahlen, und zwar summarisch, indem wir nur nach den drei großen Hauptschichten gliedern: Landwirtschaft, Industrie und Handel (nebst Verkehr usw.), Verwaltung (nebst öffentlichen Benifen, Militär usw). Da erhalten wir Polen Ruthenen A. Landwirtschaft..... 2 881034 2 943 097 B. Industrie und Handel ... 1 329 222 140 891 C. Verwaltung ...... 459911 124037 Mit anderen Worten: auf einer zu fast gleichen Teilen polnischen und ruthenischen agrarischen "Unterschicht erhebt sich ein vorwiegend polnischer Wirtschaftsbau und dementsprechend eine polnische Verwaltung. Schon hier ist zu ersehen, daß bei der agrarischen Unterschicht die Polen nicht einmal die absolute Majorität haben. Wie sehr sich aber das Bild von dem angeblich „polnischen" Gaiizien in Wirklichkeit verschiebt, zeigen folgende Zahlen, welche das richtiggestellte Verhältnis wiedergeben. Polen Ruthfenen Juden A. Landwirtschaft .... 2787563 2943097 93471 B. Industrie und Handel . . 653 034 140 891 676 188 C. Verwaltung ..... 357 766 . 124037 102 145 Mit anderen Worten: auf einer zunächst rutli cnischen und erst in zweiter Linie polnischen agrarischen Unterschicht erhebt sich ein zunächst jüdischer und erst in zweiter Linie polnischer Wirtschaftsbau: und über beiden" eine polnische Verwaltung! Nun könnte man vielleicht annehmen, daß eine Bevölkerung, die im eigentlichen Wirtschaftsleben eine so starke, führende Rolle inne hat, sich auch dann behaupten wird, wenn sie, wie es hier der Fall ist. mit der urproduktiven Unterschicht keinerlei Verknüpfung besitzt, während sie auf dor anderen Seite gegen eine skrupellose, feindliche Verwaltung auf der Hut sein muß. Davon ist aber hier keine Rede, und wir brauchen bloß den Anteil der Juden an den eigentlichen wirtschaftlichen Berufen zu zerlegen, um zu erkennen, daß sie zwar, entsprechend den obigen Zahlen, für das Land selbst von nicht hoch genug zu schätzender Bedeutung sind, daß sie aber dabei nach innen völlig* zermürbt und zerfressen sind. So sind zunächst von den 653 034 Polen der Gruppe B nur 224 598 dem Handel, restliche 428 436 der Industrie zugehörig; von den 676188 Juden dieser Gruppe gehören umgekehrt 462 004 zum Handel und nur 214184 zur Industrie und zum Gewerbe. Der Handel ist natürlich fast durchwegs' Klein- und Hausierhandel, Zwischenhandel, Kommission und Vermittlung jeder Art mit einer