Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1918) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 9-10 (10.2.1918)
Article
Galizien
Date
1918-02-10
Page
Seite 208 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908723-2910615--1450-2910646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2oa Historiograph des Zionismus wird sicherlich kaum einen zweiten ähnlichen Fall berichten, wie den des Zionistenfluches, den der Rabbi von Beiz, dessen „Hof" der Mittelpunkt der polnisch-israelitisch-chassidistischen Korruption ist, in das „Achtzehngebet4* einschob („Wela-malschinim we-la-Zionim al tehi tikwa!"). Plutokratie und Elerikalismus ahnten ganz richtig, welche Gefahr die neue Bewegung für den Bestand ihrer auf Volksverrat und Volksverdummung aufgerichtete Herrschaft bedeutete. Die zionistischen Gruppen wurden bald zu Fermenten politischer Aufklärung und politischer Opposition gegen das Polentum und seine Hausjuden. Die zionistische Landes Organisation als solche raffte sich erst später zu einer politischen Aktion auf. Zum ersten Male ging die Forderung nach Anerkennung der jüdischen Nationalität in Galizien ,von — ukrainischer Seite aus. Im Dezember 1905, anläßlich der Wahlreformverhandlungen, forderte der ruthenische Abgeordnete und Obmann des „ruthemschen Klubs" Romanczuk im Reichsrat die Schaffung einer nationalen Kurie für die Juden. Es geschah dies natürlich aus wohlverstandenem eigenen Interesse der Ukrainer und nicht aus Judenliebe. Die Forderung erregte unter der jüdischen Bevölkerung selbst das grüßte Aufsehen und brachte endlich den Stein ins Rollen. Auf der zionistischen Landeskonferenz zu Krakau 1906 wurde ein nationales „Gegenwartsprogramm" ausgearbeitet und das selbständige politische Auftreten beschlossen. Der Kampf mit der offiziellen Führerschaft und ihren chassidistischen Bundesgenossen erreichte den Siedepunkt. Gegen die nationaljüdischen Ansprüche traten nun auch die im P. P. S. D. organisierten polnischen Sozialisten mit ihrem durch die Stimmen des Krakauer jüdischen Viertels in den Reichsrat gewählten Führer Daszynski auf, wobei sie von den jüdischen Genossen sekundiert wurden. Unmittelbar auf die zionistische Reichskonferenz zu Krakau, die den politischen Befreiungskampf aufs Schild erhob, fand in Lemberg eine Konferenz der jüdischen Gemeindevorsteher statt, die schärfsten Protest gegen die jüdischen Forderungen erhob und einstimmig ihre Bekämpfung beschloß. Demgegenüber entstand in der Provinz eine mächtige Bewegung zugunsten der nationaljüdischen Ansprüche; hunderte von jüdischen Städten und Städtchen erhoben die Forderung auf Anerkennung der jüdischen Nationalität bei der Wahlreform, wobei sie namentlich in Ostgalizien aufs kräftigste von den Ruthenen unterstützt wurden. Zur hellen Loho entflammte der Kampf in den folgenden Eeichsratswahlen von 1907, in der die nationale Partei die Kandidatur Nathan Birnbaums und Adolf Stauds aufstellte, während der „Polenklub" seinerseits mit seinen bewährten „Hausjuden" auf den Plan trat. Von den für sämtliche jüdischen Kandidaten abgegebenen etwa 57 000 jüdischen Stimmen entfielen 30 000 auf die nationalen, wobei die letzteren auch von den ruthenischen Bauern und diesmal auch von den polnischen Sozialisten wirksam unterstützt wurden. Als Kandidaten der nationalen Partei wurden die Zionistcn Stand, Mahler und Gabel in den Eeichsrat gewählt, außerdem gingen 3 Polenklubjuden (Löwenstein, Kulischar und Dr. Gold, letzterer waschechter Nationaldemokrat!) und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.