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Neue jüdische Monatshefte · 1918-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1918) · p. Seite 209

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 9-10 (10.2.1918)
Article
Galizien
Date
1918-02-10
Page
Seite 209 (sequence 15)
Language
German
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209 ebensoviel P.P.S.-Juden durch. Im Juni 1907 wurde darauf zum ersten Male ein „Jüdischer Klub" unter dem Vorsitz des jüdisch-nationalen Reichsratsabgeordneten aus der Bukowina Straucher im Reichsrat konstituiert, in dem das galizische Judentum seine wahre und legitime Repräsentanz erblickte. Das nationale Programm und die Erklärung des „Jüdischen Klubs" wurde vom galizischen Nationaljudentum mit Begeisterung aufgenommen. Bei der Budgetbehandlung im Dezember 1907. vertrat Adolf Stand im Reichsrat die Forderungen der Jüdischen Klubs: Offizielle Anerkennung der jüdischen Nation und deren Sprache, nationale Autonomie und Sabbatruhe für die Juden. In den allgemeinen politischen Fragen ging der Jüdische Klub mit der ukrainischen Reichsratsrepräsentanz Hand in Hand. Allein diese Herrlichkeit war von kurzer Dauer. Die im heroischen Ansturm errungenen Positionen mußten bereits im nächsten Wahlgang dem mächtigen, nie rastenden Feind zurückgegeben werden, der bald Gelegenheit hatte, die Scharte von 1907 gründlich auszuwetzen. In den Reichsratswahlen von 1911 verschwand der von den Hoffnungen und der Liebe der Besten getragene Jüdische Klub mitsamt der natio naljüdischcn Reichsratsrepräsentanz Gaiiziens von der Oberfläche. Die Ereignisse haben den Optimisten die schmerzhafte Erkenntnis gebracht, daß die in einem Jahrhundert aufgebaute und gefestigte Macht der Finsternis und der Korruption noch nicht gebrochen ist. Und in noch schmerzvollerer Resignation erkannte man, daß die Kraft und der Wille zur Selbsthilfe und Sclbsterlösung nicht ausreicht. Man harrte nunmehr der kommenden Gerechtigkeit. Im dritten Jahre des Weltkrieges, der unzähligo Söhno des jüdischen Volkes in Galizien psalmenflüsternd an den Drahtverhauen Österreichs hinsinken sah, seine Frauen und Greise zu Barackcnbürgent machte und zwölftausend seiner Unmündigen den Waisenhäusern überantwortete, ist sie zögernden Schrittes gekommen, die langersehnte Völkergerechtigkeit. Sie heißt: Autonomie Gaiiziens. Wird sie, wie es den Anschein hat, an dem gebeugtesten Volke dieses Landes vorübergehen? Noch ist dieses Volk der Zuversicht voll, noch ist seine Hoffnung und sein Glaube nicht erschüttert: der Glaube an 0 s t e r - reich, an die Welt. WTird der Glaube an Österreich zuschanden werden? Nun, dann bleibt die Hoffnung auf die Welt übrig. Vor dem Forum der Friedensbringer wird dann neben dem polnischen und rumänischen auch das galizische Judenschicksal mahnend das Haupt erheben. Die wohlbegründeto Voraussicht des Kommenden drängt in Wien zur Neuordnung; weiß man dort^ nicht, daß die Viertelmillion galizischer Juden in Amerika bereits in Bewegung geraten ist und mächtig am Weltgcwissen rüttelt? Noch ist Zeit zur Gerechtigkeit. Noch ist es Zeit, daß Karl I. dem jüdischen Volke Gaiiziens zurückerstattet, was ihm Maria Theresia verbrieft und Joseph II. geraubt hat.

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