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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-25 · Heft 8 (25.1.1918) · p. Seite 183

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 8 (25.1.1918)
Article
Benjamin Disraelis "Tancred" [Rezension]
Date
1918-01-25
Page
Seite 183 (sequence 2)
Language
German
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185 unter dem Einfluß einer vom starken Individuuni erkannten und verkündeten göttlichen Idee in Raison gelialten werden können. Dr. Oscar Levy, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, zwischen dem Geiste Deutschlands, wo er gehören ist, und dem Englands, wo er seine zweite Heimat gefunden hat, den Kulturmakler zu machen, der den Engländern u. a. eine wundervolle Gesamtausgabo der Werke Nietzsches beschert hat, gibt jetzt ^Disraelis berühmten Roman „Tancredu heraus. Das im Verlag des soeben verstorbenen Münchner Verlegers Georg Müller erschienene 'Buch zeigt die Jahreszahl 1914. Es ist also schon vor dem Kriege fertig ausgedruckt gewesen und wird erst jetzt der Öffentlichkeit übergeben, die man offenbar heute für fähiger hält, ein englisches Meisterwerk aufzunehmen, als unmittelbar nach Ausbruch des Krieges, als das Wort „Gott strafe England" jede feinere Kulturmelodio überdröhnte. Vielleicht hätte man es ruhig schon vor drei Jahren erscheinen lassen dürfen: denn nirgend wird England schärfer gegeißelt als in diesem Buche eines grandiosen Mcnschenverüchters, der sein^ Volk bis ins Innerste kannte und ihm den Spiegel mit schonungslo^^ef^trenge vorhielt, ohne die verliebten Mätzchen eines Shaw, ohne sogar die optimistischen Seitenblicke eines Dickens, sondern fast ebenso bitter wie Swift, fast ebenso höhnisch wie Thackeray, fast ebenso pathetisch wie Carlyle, und in dieser Verbindung härter und schärfer als jeder dieser drei großen Propheten, die Englands stolzer Scheinkultur, dieser lächerlichen Adelsrcpublik mit der demokratischen Fassade, den Untergang prophezeiten. So auch Disraeli; es ist nicht die Pritsche, sondern die Zackengeißel, die er über England schwingt, dem Lande der arrogantesten und verbildetsten Aristokratie mit ihrem unerschütterlichen Glauben an sich selbst, dem Lande des schamlosesten Kapitalismus, der zum Geschäft erniederten Religion, dem Lande der siegreichen Phrase und des Cant. Und selbst sein Lachen ist tödlich — wenn er einmal lacht! Der höchste Sproß dieser höchsten Aristokratie der Welt, der junge, ungeheuer reiche Herzogserbe Tancred, in der Stille der Studier aufgewachsen, entflieht jener völlig sinnlos gewordenen Zivilisation, die ihm ein Grauen und Ekel ist, um im Lande der Verheißung die göttliche Stimme zu vernehmen, die immer nur dort gesprochen hat: zu Möses, Jesus und Mohamed. Vergebens betet er am heiligen Grabe, aber auf dem Berge Sinai hat er die erflehte Vision, den Engel Gottes, der ihm seine Aufgabe stellt, „die Gleichheit der Menschen unter der Führung und Herrschaft Gottes durchzuführen" (S. 320). Die Herrschaft Gottes aber, das sind jene Gesetze, die einst in Arabien und Palästina erlassen wurden, die die Cäsaren dann auf das Kapitol verpflanzten. Die Christenheit, „die geistige Kolonie Arabiens'4, kann nur genesen, wenn sie zu diesen ewigen Gesetzen und Prinzipien heimfindet. Das ist in Kürze die Fabel, der Faden, an dem eine funkelnde Juwelenketto von prachtvollen Schilderungen aufgereiht ist, von Seelenanalysen und Landschaftsbildeni; auf religiös-philosophisch-

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