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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-25 · Heft 8 (25.1.1918) · p. Seite 176

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 8 (25.1.1918)
Article
Die deutsche Regierung und der Zionismus
Date
1918-01-25
Page
Seite 176 (sequence 3)
Language
German
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176 nicht machen würde, die Juden sich selbst auferlegen müßten» Daß aber keine anderen als die durch die Aufnahmefähigkeit des Landes gebotenen Schranken der jüdischen Einwanderung gesetzt sein sollen, hat Talaat Pascha dadurch anerkannt, daß er die wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit für die Juden als Prinzip statuiert. Mit diesem Umfange ihrer Besiedlung des Landes können die Juden zufrieden sein, wenn ihnen zugleich auch das Recht eingeräumt wird, in ihren Siedlungsstätten selbst die Verwaltung zu führen. Auch in dieser Beziehung hat der Großwesir befriedigende Erklärungen abgegeben. Er hat darauf hingewiesen, daß das in der Türkei schon vorhandene weitgehende Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden durch ein in Vorbereitung befindliches Gesetz noch erweitert werden wird. Damit ist die Erschließung Palästinas für die. jüdische Siedlung in zunächst ausreichendem Maße gewährleistet und durch die Einräumung der Selbstverwaltung zugleich dafür gesorgt, daß eine jüdische Verwaltung Art und Maß der öffentlichen und privaten Wirtschaftsarbeiten bestimmt, die im Rahmen der Entwicklungsfreiheit eine immer steigende Aufnahmefähigkeit schaffen kann und wird. Die Selbstverwaltung wird zugleich auch den Siedlern freie politische Entwicklung und politische Erziehung bringen. Diese Erklärung des Großwesirs kann als die erste Anerkennung des zionistischen Programms durch die türkische Regierung angesehen werden. Sie enthält nichts weniger und nichts mehr als die Anerkennung der jüdischen Nationalität und für das jüdische Volk die Feststellung des Rechts der freien kulturellen Entwicklung, der freien Einwanderung und Niederlassung, der Selbstverwaltung. Damit ist. zugleich auch die Erklärung der deutschen Reichsregierung gewürdigt. Freiherr 'von dem Bussche-Haddenhausen hat nicht ein neues Wort geprägt oder eine neue Formel geschaffen. Er hat vielmehr unter Hervorhebung, der wesentlichsten Leitsätze der türkischen Erklärung diese „begrüßt" und sie dadurch auch zum Inhalt der Willensäußerung der deutschen Regierung gemacht. Wie nun einmal die Dinge liegen, ist es sehr wertvoll, daß die deutsche Erklärung der türkischen gefolgt ist. Denn dadurch ist nach außen unzweideutig dokumentiert, daß die türkische Regierung unbeeinflußt und in .vollständiger Freiheit und Unabhängigkeit ihre Entschließungen gefaßt hat. Die deutsche Regierung „begrüßt'4 die türkische Stellungnahme und schließt sich ihr an; sie kann es tun, nachdem der türkische Bundesgenosse selbst und freiwillig dem jüdischen Volke die nationalen Existenzbedingungen in Palästina zugesichert hat. So groß der Wert der Erklärung des Großwesirs ist, besonders da sie von einer überragenden Persönlichkeit wie Talaat Pascha ausgeht, sie war doch immer nur ein Versprechen, ein Programm einer Staatsregierung hinsichtlich der Regelung einer internen, innerstaatlichen Angelegenheit. Dadurch, daß die deutsche Reichsregierung diese türkische Erklärung vollinhaltlich in offizieller Form zu der ihrigen gemacht hat, hat sie internationale, zwischenstaatliche

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