Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 8 (25.1.1918)
- Article
- Die deutsche Regierung und der Zionismus
- Date
- 1918-01-25
- Page
- Seite 177 (sequence 4)
- Language
- German
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177 Bedeutung gewonnen. Sie ist jetzt, wenn man noch die Sympathiekundgebung des Grafen Czernin zu den zionistischen Bestrebungen hinzunimmt, zu einem Programm der Mittelmächte geworden. Die Verwirklichung dieses Programms wird der Türkei und den Mittelmächten leicht sein, denn keine andere Mächtegruppe wird sich ihr widersetzen; im Gegenteil, die in der englischen Regierungsäußerung enthaltene und offenbar von der gesamten Entente und von Amerika gebilligten Absichten über ein jüdisches Palästina bewegen sich nach derselben Richtung. So können die Zionisten und mit ihnen die ganze Judenheit auf die Erfüllung ihrer Palästinawünsclie rechnen. Die deutsche Regierung hat ganz recht, wenn sie sagt, daß die Palästinabestrebungen „von der Judenheit, insbesondere von den Zionisten" verfolgt werden. Palästina war niemals aus dem Herzen und aus dem Kopfe der Juden geschwunden; dio Hoffnungen auf Palästina waren niemals aufgegeben, wenn sich auch an den Bestrebungen zur Wiedererlangung nicht alle Juden beteiligten. Im Kriege aber ist Palästina mehr als jo in den Vordergrund der jüdischen Wünsche und Arbeiten getreten. Üborall, wo Juden in größeren Massen wohnen, ist der Wunsch nach einem jüdischen Kongreß laut geworden, und überall hat man sich auf cino Plattform geeinigt, die freie Einwanderung und freie Entwicklung der Juden in Palästina fordert. Die deutsche Judenheit hat sich bisher das Organ noch nicht geschaffen, das für sie diese Forderung erhebt. Deshalb ist es um so bemerkenswerter, daß dio deutsche Rcichsregierung in jüdischen Dingen zur Führerin der deutschen Juden geworden ist. Die Zionisten werden ihr auf diesem Wege mit freudiger Anerkennung folgen; es ist aber zu erwarten, daß auch die anderen deutschen Juden sich zum Programm ihrer Regierung bekennen werden. Die Zionisten können der deutschen Regierung ihren Dank nicht besser ausdrücken, als indem sie das Bekenntnis. erneuern, mit dem Th e o d or Her zl im Jahre 1898 den deutschen Kaiser in Jerusalem begrüßt hat: „Da ist das Land unserer Väter, das sich für eine Kolonisierung und Kultivierung eignet. Es schreit nach Menschen, die es bebauen sollen. Und wir haben unter unseren Brüdern ein schreckliches Proletariat. Diese Menschen schreien nach einem Lande, das sie bebauen wollen. Nun möchten wir aus den zwei Notständen — des Landes und des Volkes — durch die planvolle Verbindung beider eine neue Wohlfahrt schaffen. Wrir sind ehrlich überzeugt, daß die Ausführung des zionistischen Plans auch für die Türkei Wohlfahrt bedeuten muß. Niemandens Rechte oder fromme Empfindungen bedroht unser Gedanke. Wir Juden grüßen Eure Majestät und wünschen aus tiefster Brust, daß ein Zeitalter des Friedens und der Gerechtigkeit anbrechen möge für alle Menschen."