Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 7 (10.1.1918)
- Article
- Zur Kolonisationsfrage in Palästina
- Date
- 1918-01-10
- Page
- Seite 166 (sequence 3)
- Language
- German
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166 Hilfe aus Mitteln 'der jüdischen Allgemeinheit zu fördern und zu bewirken. Nur derart können wir allmählich die bei der jüdischen Kolonisation unumgänglich nötigen Lehr- und Wirtschaftskräfte erhalten. Junge Männer und Frauen sollten vor ihrer Einwanderung in Palästina sich auf bewährten Lehrgütern, auf guten Guts- und Bauerrt- Wirtschaften in mehrjähriger praktischer Arbeit Schaffensfreudigkeit und Berufstüchtigkeit aneignen, damit sich nicht zu den für sie genügend großen Schwierigkeiten der Akklimatisation, der neuen sozialen Verhältnisse, der durch die Primitivität Palästinas gegebenen Entbehrungen gewohnter Kulturbedürfnisse auch noch die Mühseligkeiten der ersten praktischen Lehrzeit gesellen. Auch dürfte es bestimmt weder gegen den Geist des Nationalismus, noch gegen die Zweckmäßigkeit an sich verstoßen, wenn aus nationalen Mitteln Lehrgüter in den Wirtsländern begründet würden, die, ohne Wohltätigkeit ausüben zu wollen, Gelegenheit zu gediegener Berufsausbildung bieten. In Palästina selbst ist ein System bester landwirtschaftlicher Lehranstalten und Wirtschaftsschulen zur Ausbildung praktischer Landwirte und tüchtiger Landfrauen durchzuführen. Die Leitung dieser praktischen Lehrstätten ist nur tüchtigen, bereits bewährten Fachleuten — in Ermangelung eigener Kräfte müssen hierfür Nichtjuden, auch unter Aufwendung größerer Geldmittel, gewonnen werden — zu übertragen. Ein Teil der bereits in Palästina vorhandenen Kolonistenstellen könnte ebenfalls als Lehrstätte benutzt werden. Bis jetzt war es eine harte Zumutung an den schon an sich knappen Geldbetrag des Kolonisten, neu in Palästina eingewanderte junge Leute als „Arbeiter44 zu beschäftigen und sie so zu entlohnen, daß ihnen ihr Auskommen gewährleistet war. Es ergaben sich hieraus Unzuträglichkeiten, die zum Teil dazu führten, daß manche Kolonisten — aus rein wirtschaftlichen und wohl auch noch aus anderen Gründen — grundsätzlich keine jüdischen Arbeiter aufnehmen und beschäftigen wollten; oder auch, daß jüdische Arbeiter — gewissermaßen aus nationaler Empörung — manche Kolonisten oder gar ganze Ansiedlungen boykottiert haben. Ganz objektiv betrachtet, liegen hierbei die Verhältnisse so, daß es dem Kolonisten, der ja zurzeit noch selbst um seino ökonomische Existenz ringen muß, durch die Beschäftigung ungeübter und unerfahrener jüdischer Arbeiter gegen einen für landwirtschaftliche Verhältnisse recht hohen Lohn einfach unmöglich gemacht wird, vorwärts zu kommen, ja auch nur notdürftig zu existieren. Dem Kolonisten, wenn auch vom besten Schrot und Korn in nationaler Beziehung, kann unmöglich die Aufgabe und Pflicht der Beschäftigung und ausreichender Entlohnung solcher Arbeiter zugemutet werden. Andererseits ist es, gefühlsmäßig bewertet, dem jüdischen Arbeiter kaum zu verargen, daß er im Kolonisten, der seine Arbeit ablehnt,