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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 167

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Zur Kolonisationsfrage in Palästina
Date
1918-01-10
Page
Seite 167 (sequence 4)
Language
German
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167 gewissermaßen einen Verräter an der Volkssache erblickt, einen „Ausbeuter" wittert; denn der jüdische Arbeiter sieht ja im Kolonisten den Glücklichen, der „sein" Ideal bereits erreicht hat und ihm selbst dieses zu erlangen quasi unmöglich macht; er kann aus suggeriertem Klassendogma sich nicht auf die Höhe objoktiven sozial-ökonomischen Urteils erheben und steht so dem jüdischen Kolonisten gegenüber mit dem Zorn, ja fast mit dem Haß des auf die Straßo gesetzten Lumpen-Proletariers da. Noch liegt zurzeit keine Veranlassung vor, diesen sozialen Gegensatz sehr tragisch zu nehmen, er kann aber, wenn ihm nicht bald und wirksam entgegengearbeitet wird, zu den unerträglichsten Kalamitäten führen, ja zum Krebsschaden der ganzen Kolonisation werden. Diesem durch nichts begründeten Klassenkampf (denn bis zu einem solchen Stadium ist der soziale Ggensatz zwischen angesiedelten und „freien" x\rbeitern bereits geraten) ist weder durch Argumente noch durch Schlichtungs- und Schiedskommissionen entgegenzutreten; was als Abhilfe für schon in Erscheinung Getretenes, und was als Vorbeugung für die Zukunft dienen kann, ist lediglich die große befreiende und zwingende Tat. Der Einwanderer muß entweder vor seiner Auswanderung oder in Palästina erst durch physische Arbeit auf dem Acker seine Muskeln und Knochen stählen und zur Ausdauer geübt machen, muß erst den landwirtschaftlichen Beruf erlernen. Hierfür können oder müssen eigene Mittel oder Mittel der Allgemeinheit, speziell auch Gelder des Jüdischen Nationalfonds aufgewendet werden; und es sind Wege zu wählen, wie ich sie oben in Kürze angedeutet habe. Geübte und gelernte Arbeiter werden die Konkurrenz des billigeren aber faulen, unzuverlässigen und indolenten arabischen Arbeiters' aufnehmen können, werden befähigt sein, gegen einen höheren, als den dem Fellachen gewährten Lohn, zum Vorteil jedes Betriebes zu arbeiten; und-nach wenigen Jahren kann dann aus ihnen ein Menschenmaterial entstehen, das nach Wahl zur Bauern-Koionisation wird herangezogen werden können. Gegenwärtig aber schon die Bauernkolonisation als vorwiegendes System der jüdischen Kolonisation zu empfehlen, halte ich für verfehlt, ja für Vcrdorbon bringend, trotz aller Theorien, alier glücklichen und unglücklichen Motivierungen, aller künstlich konstruierten und scheinbar empirisch festgestellten Tabellen und Berechnungen, und sogar für den glücklichen Fall, daß für die Palästina-Kolonisation gewaltige finanzielle Mittel zur Verfügung stehen sollten. Jetzt schon in der Hauptsache eine Bauernkolonisation in Palästina durchzuführen, hieße die Piramiden vom Gefildo Moph auf ihre Spitzen setzen wollen.

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