Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 7 (10.1.1918)
- Article
- Die Entwicklung der modern-hebräischen Sprache
- Date
- 1918-01-10
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
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163 laßt uns gehen!" °) nach Palästina zogen, um die Feder mit dem Spaten zu vertauschen. Unter Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten gelang es diesen mittellosen Pionieren endlich festen Fuß zu fassen. Am Endo des Jahres 1912, nachdem seit jenen ersten kühnen Versuchen ungefähr 3 Jahrzehnte verflossen waren, bestanden in Palästina nach den Angaben des umfangreichen Werkes von Dr. C u r t Nawratzki rDie jüdische Kolonisation Palästinas7) 44 jüdische ländliche Kolonien mit ca. 10 000 Seelen unter einer jüdischen Gesamtbevölkerung Palästinas von 100 000 Seelen. Die Hauptstützpunkte der städtischen jüdischen Kolonisation sind neben Jerusalem die beiden Hafenstädte Jaffa und Haifa. In dieser jüdischen Neusiedelung ist das Hebräische als lebendige Umgangs- und Kulturspracho wiedererstanden. Für die Xeubelebung des Hebräischen, die schon infolge der Vielsprachigkeit der in dem neuen Talästina zusammengeströmten Volkselemente notwendig war, ist von epochaler Bedeutung das Verdienst 'Eli'ozer Ben- J diu das, des Verfassers des zum Teil bereits erschienenen Riesenwerkes eines encyklopädischen Wörterbuches der hebräischen Sprache aller Zeiten. Von diesem Mann schreibt Heinrich Loewe: „Er erkannte die Notwendigkeit, das Hebräische zur Umgangssprache zu machen. Er begann bei sich selbst. Er legte seinen russischen Namen ab und nannte sich nur noch Ben-Jehuda. In der von ihm in Jerusalem gegründeten Familie wurde so lange nur hebräisch gesprochen, bis die Gewißheit vorhanden war, daß das Hebräische die lebendige Mutter- und Umgangssprache aller seiner Kinder bleiben würde. Er hat es mit der unermüdlichen Energie, die sich bei ihm bis zum Eigensinn steigerte; durchgesetzt und sich damit einen unvergänglichen Namen in der jüdischen Geschichte geschaffen.*' Vor allem war man in Nacheiferung des Beispieles, das Ben-Jehuda gegeben hatte, bemüht, im Munde der in Palästina heranwachsenden jungen Generation das Hebräische zu neuem Leben zu erwecken. Dieses Bemühen ist heute als geglückt zu bezeichnen. In den verschiedenen Schulen, die heute dank der energischen Tätigkeit der in Palästina arbeitenden jüdischen Kolonisationsorganisationen und dank der edelmütigen Hilfsbereitschaft einzelner Gönner vom Kindergarten bis zum Gymnasium bestehen, ist das Hebräische zum weitaus größten Teile die lebende Unterrichtssprache. Ein schwieriges Werk hat hier die Kunst und der Fleiß der für das nationale Rcorganisationswerk begeisterten palästinensischen Lehrerschaft zustandegebracht. Im Sommer 1913 haben zum ersten Male 23 Absolventen das II e b r ä i s c h o Theodor Herd-Gymn asiu m in J a f f a verlassen und sind auf Grund ihrer Reifezeugnisse von den europäischen Universitäten H) immatrikuliert worden. Das neue hebräische Leben in Palästina hat auch auf die Juden der Diaspora seinen Einfluß ausgeübt. Das Interesse für das moderne Hebräisch und seine Kenntnis ist besonders in Rußland, Galizien und °) Jtsaja 2,5: Beth ja'akob l'chu w'nel'cha. (Nach den Anfangsbuchstaben: Bilu). 7) München 19M. Verlag Ernst Heinhardt. s) So Berlin, Wien, Paris.