Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Die Entwicklung der modern-hebräischen Sprache
Date
1918-01-10
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908721-2910520--1380-2910552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

162 die „Heilige Sprache" zu sein. Allen Verhältnissen und Erscheinungen des täglichen Lebens wandte diese Literatur ihr Interesse zu. Von selbst fielen der Sprache daher die künstlichen Fesseln ab, die die Schule der Aufklärer ihr aufgezwungen hatte. Man erkannte, daß man im Gebrauche des Hebräischen nicht einfach einen Zeitraum von 2000 Jahren überspringen könne, man war daher bestrebt, die Stile der Bibel, der Mischna und der verschiedenen Literaturen des Mittelalters zu einem organischen Ganzen zu vereinen. So wird das Hebräische „völlig umgeschmolzen und neu gegossen". In den Werken der zwei unbestrittenen Koryphäen der modern-hebräischen Literatur gelangt die Sprache bereits zu einer nach den vielen Schicksalsschlägen fast für unmöglich gehaltenen Vollendung. 'Achad Haam4), den großen Propheten der nationalen Einkehr, der sich selbst schlicht „Einen aus dem Volke11 nennt, bezeichnet L e o M#e tman n als den eigentlichen Vater de* modernen hebräischen Stils. „Seine Sprache", so sagt er, „ist eine meisterhafte organische Vereinigung und Verarbeitung des ganzen hebräischen Wortschatzes aller Zeiten; er führte eine genaue und konsequente Anwendung aller grammatischen und syntaktischen Formen durch, ohne daß man dabei den geringsten Zwang fühlte." Die gleiche unbegrenzte Beherrschung des gesamten hebräischen .Sprachmaterials zeigt auf dem Gebiete der lyrischen Poesie der Dichter Chajjim X a e h m a n B i a 1 i k D). Ihm „gelang es", so lautet das Urteil des sachverständigen Leo Metmann, „einen wunderschönen, farbenreichen, poetischen Stil zu schaffen, einen Stil, der ebenso erhaben wie fließend ist; der immer von neuem es versteht, durch die reizendsten eigenartigen Ausdrücke den hebräischen Leser zu packen und die geheimsten Saiten seiner Seele zu berühren." Ich kann mir eine Aufzählung* all der Namen, die auf den verschiedenen Zweigen der hebräischen Literatur unserer Tage einen guten Klang haben, sparen, da ich hier ja nur die Entwicklung der modern-hebräischen Sprache behandele. So wirkungsvoll und umfangreich auch das Schaffen aller jener jungliebräischcn Talente sein mochte, der herbeigesehnte Erfolg, die hebräische Sprache wieder als Sprache eines bunten Alltagslebens zu hören, würde wohl ausgeblieben sein, wäre nicht der altneuen Sprache das Land, von dem sie dereinst ausgegangen war, zu einer neuen Heimat geworden. Die blutigen Verfolgungen, die zu Anfang der 80 er Jahre des .vergangenen Jahrhunderts über die Juden Rußlands hereinbrachen, waren der äußerliche Anlaß, durch den die bereits früher von einzelnen weitblickenden Männern aufgestellte Forderung einer nationaljüdischen IColonisation in Palästina zur Verwirklichung gelangte. Junge Studenten waren die ersten, die unter dem Banner „Haus Jakobs, wohlan, 4) In deutscher Übersetzung: Acliad Haara, Am Scheidewege. Zwei Bände. Band I, übersetzt von Prof. Dr. J. Friedländer, 2. vermehrte Auflage; Band II, übersetzt von Privatdozent Dr. H. Torczyner. .Jüdischer Verlag, Berlin 1913 und 1916. c) In deutscher Übersetzung: Ch. N. Bialik, Gedichte. Übertragen von Ernst Müller. Jüdischer Verlag, Köln und Leipzig 1911.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.