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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 160

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Die Entwicklung der modern-hebräischen Sprache
Date
1918-01-10
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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160 sonders finden wir Erzeugnisse dieses Schaffens in Italien im Zeitalter der Renaissance. Die hebräische Sprachwissenschaft, die in der spanischen Blüteperiode der jüdischen Literatur bereits schöne Früchte hervorgebracht hatte, erwachte hier wieder. Jüdische Sprachgelehrto waren es, von denen die Begründer der europäischen hebräischen Sprachwissenschaft wie Johannes Reuchlin ihre grundlegenden Kenntnisse erhielten. Am Ende dieser Periode finden wir m Italien den Gelehrten und Dichter Moschc C h a j j i m Luzzatbo, dessen in rein biblischem Hebräisch geschriebene Dichtungen gewissermaßen die ersten Atemzüge sind, die die zu neuem Leben erwachende, so lange scheintote hebräische Sprache macht. Es ist sicherlich mehr als ein Witz der Geschichte, daß die Geburtsstunde der Aufklärung im Judentum nicht nur der Ausgangspunkt der zur Auflösung des Judentums führenden Assimilationsbewegung ist, sondern zugleich auch den Ausgangspunkt der Neuentwickelung der modern-hebräischen Sprache bedeutet, die eine wesentliche Grundlage der nationalen Erneuerungsbewegung im Judentum ist. Es ist die ehrwürdige Persönlichkeit Moses Mendelsohns und der Kreis der sich um ihn scharenden umerschrockenen Kämpfer, von denen besonders N. H. W e s s e 1 y , der Verfasser des biblischen Epos „S c h i r e T i f1 c - rot h"2) zu nennen ist, die das Hebräische aus dem Starrkrämpfe, der es befallen hatte, wieder erweckten. Unter dem Einflüsse der von Frankreich ausgehenden Ideen der Aufklärung, die vor allem die dem Individuum angeborenen Menschenrechte vertrat, ersehnten diese Männer auch für ihr Volk den Aufstieg aus der Nacht des Ghetto zum Freihcitslichto modernen Menschentums. Da sahen sie sich vor eine ungeheure Er ziehungs aufgäbe gestellt, deren Ziel es war, die geistige Mauer, die zwischen den Juden und der übrigen Welt bestand, niederzureißen. Das Mittel, dessen sich diese Aufklärer bedienten, war der Gebrauch eines reinen Hebräisch, das sie der von ihnen als geschmacklos empfundenen Sprache des Pilpuls, der scharf sinnig-spitzfindigen, dabei unfruchtbaren Gesetzeserklärung, entgegensetzten. Das Verhängnis der Arbeit dieser jüdischen Aufklärungsperiode war ihr Mangel an historischem Sinn. Aus Eifer, die Reinheit und Erhabenheit der hebräischen Sprache wieder herzustellen, waren sie auf das peinlichste bemüht, jeden nachbiblischen Ausdruck zu vermeiden. „So glaubten sieu, sagt Leo Metmann in seinem Buche „Die hebräische Sprache" 3), „die zweitausendjährige geschichtliche Entwickelung des jüdischen Volksgeistes wie auch der hebräischen Sprache mit einem Feclerstrieh durchstreichen zu können.' Anstatt die zwar verdorbene, aber doch lebensfähige hebräischo Sprache zu verbessern, machten sie sie zu einer unbeweglichen, künstlichen Puppe, die zwar schön, aber tot ist und den Forderungen und Bedingungen des Lebens sich nicht fügen kann." Die Pflege des biblischen Hebräisch im Kreise dieser Aufklärer, die sich um die Zeitschrift Hamm°'assef, „der Sammler", scharten und danach M0,,assnfim heißen, hat es nicht hindern können, daß je mehr die Ent- 2) „Prachtlieder", die den Auszug aus Ägypten verherrlichen. 3) Jeriisölem 1007.

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