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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 159

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Die Entwicklung der modern-hebräischen Sprache
Date
1918-01-10
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 hebräische Sprache zu einer neuen Blüte in der neuhebräischen Poesie. Man hielt sich in all den Dichtungen möglichst treu an das Vorbild der biblischen Sprache. Allmählich aber bildete sich der sog. Musivstil heraus, der in der kunstvollen und zumeist sehr gekünstelten Verarbeitung biblischer und späterhin auch talmudischer Zitate das höchste Ziel der poetischen Form erblickte. Eine wirkliche Fortentwicklung der hebräischen Sprache hat dabei so gut wie gar nicht stattgefunden. Fruchtbarer war in dieser Hinsicht die Wirksamkeit der Gelehrten, die in ihren philosophischen, philologischen, gesetzes- und naturwissenschaftlichen Werken das Hebräische um eine vollkommene Begriffsterminologie bereicherten. Mit dem Verfall der hochentwickelten Kultur des Islams vergeht zugieicli die seltsame BKiteperiode der hebräischen Literatur des Mittelalters. In demselben Jahre, in dem die letzten Reste der ehedem glänzenden Maurenherrschaft im Abendlande zertrümmert wurden, mußten die Juden, abermals einer neuen Heimat beraubt, den Boden Spaniens verlassen. Der Hauptschauplaiz der jüdischen Geschichte ist nunmehr Deutschland, Frankreich und die slawischen Länder. Doch ein fröhliches, Kunst und freie Wissenschaft pflegendes jüdisches Leben konnte hier bis in die Neuzeit nicht mehr entstehen. Der an den Juden zuerst zum Ausbruch gekommene Fanatismus der Kreuzfahrer, die dauernden Judenmetzelcien und Vertreibungen der folgenden" Jahrhunderte, die Verachtung und Willkür, unter der sie in den verschiedensten Formen zu leiden hatten, schufen alimählich den Typus des Juden, der, hinter den schwergefiigten Mauern des Ghetto vom lachenden Leben der Umgebung abgeschlossen, den Schmerz über die bittere Qual des Tages im Studium des Gesetzes ersticken wollte. Die hauptsächlichsten Erzeugnisse der hebräischen Literatur jener Jahrhunderte sind die umfangreichen Schriften über das Gesetz und religiöse, meist elegische Poesie. In dieser Epoche ging das Hebräische mit dem Aramäischen eine so enge Vorbindung ein, wie nie zuvor. Der aus der aramäischen Sprach - periode des jüdischen Volkes stammende Talmud war neben der Bibel zu dem heiligen Buche der Juden geworden. Daneben wurde die immer mehr zunehmende Anwendung des Aramäischen auch durch das Aufblühen der mystischen Lehre der K a b b a 1 a , für die das Aramäische*, die heilige Sprache war, bewirkt. So ist die Literatur dieser Jahrhunderte in einem hebrai'siorten Aramäisch und zum Teil in einem aramaisierten Hebräisch verfaßt. „Die innige Durchdringung beider Sprachen," sagt Heinrich Locwc, „ist ein Teil der Entwickclung der hebräischen Sprache. Sie ist nicht tot. Sie lebt als Schriftsprache des ganzen Volkes. Das oft wunderliche Hebräisch der religiösen Dichtung im Mittelalter kam nur deshalb zustande, weil das Hebräische nicht abgestorben, aber in einer der Natur entfremdeten Entwickclung begriffen war. Es ist ein Leben ohne natürliche Wurzeln, das aus Luftwurzeln sich die Kraft holt, notdürftig fortzuexistieren. Der heimatliche Grund fehlte der Sprache wie dem Volke." Von einzelnen wissenschaftlichen .und dichterischen Geistern wurde allerdings auch in dieser Periode der reine hebräische Stil gepflegt und weiter entwickelt. Ik-

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