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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 158

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Die Entwicklung der modern-hebräischen Sprache
Date
1918-01-10
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 Schon in dem neuen nationalen Eigenleben, das mit der von Oyrus gestatteten Rückkehr der Exulanten nach Palästina begann, tritt dem Hebräischen ein mächtiger Konkurrent in der aramäischen Sprache entgegen. Dieser Zweig des Semitischen, der dem Hebräischen sehr nahe steht, hatte sich damals bereits als die allgemeine internationale Verkehrssprache im vorderen Orient durchgesetzt. Der langsame Auflösungsprozeß des Hebräischen als lebender Volkssprache, der im 5. vorchristlichen Jahrhundert begann, begleitet die wcchsclvolle. schließlich mit der endgültigen Auflösung der nationalen Selbständigkeit endende Volksgeschichte bis ins dritte nachchristliche «Jahrhundert. Die Sprache der hebräischen Literaturdenkmäler dieser Epoche zeugt deutlich von dem schweren Kampfe, in dem schließlich das Hebräische unterlag. Die letzten und umfangreichsten Werke der auf palästinensischemBoden entstandenen jüdischenNationalliteratur sind Mis ch na und Mi drasch. Diese Gesetzes- und Erbauungsliteratur ist in einer Sprache verfaßt, die im Stil und in vielen grammatischen Besonderheiten .von dem klassischen Hebräisch der vorexilischen Bibclliteratur durchaus verschieden ist. Von diesen Eigentümlichkeiten der Mischnaspräche, die vor allem auf Einflüsse des Aramäischen hinweisen, bemerkt sehr richtig Heinrich L o e w e in seinem Buche „Die Sprachen der Juden1): „Gerade diese leichten Arama'ismen sind sprechende Beweise dafür, daß das Hebräische lebte. Denn wenn es nur eine tote Literatursprache gewesen wäre, so hätte man sich bemüht, dieses wenigstens äußerlich in den einfachsten grammatischen Formen dem überlieferten heiligen Schrifttum anzupassen." Auch nachdem es dem Aramäischen im Verein mit dem Griechischen gelungen war, das Hebräische von der Straße zu verdrängen und es auf die Synagoge und die Schule zu beschränken, blieben dem lebenden Hebräisch doch auf lange Zeit noch einige Stützpunkte im Lande. Wir wissen aus der Zeit der Wende des 4. Jahrhunderts, daß sich Hieronymus, um die hebräische Sprache gründlich zu erlernen, nach Palästina begab und daß sein Lehrer Bar-Chan an j a in Tiberias hebräisch gesprochen hat. Mit dem Siege des Aramäischen und der fortschreitenden Zerstreuung des Volkes beginnt in der Geschichte des Hebräischen die lange Epoche, in der es lediglich die „Heilige Sprache" ist. Neben den Verkehrssprachen der Juden, die im Orient seit den Eroberungen des Islams hauptsächlich das Arabische, im Abendlande die Sprachen der verschiedenen europäischen Völker und später hier wie dort die verschiedenen Mischsprachen wie der Jargon, das Spaniolischc und noch andere werden, bleibt das Hebräische die unbestrittene Sprache der nationalen Volkskultur. Und selbst die Werke, die unter dem Einfluß der Kultur des zur Blüte gelangten Islams in arabischer Sprache entstanden sind, sind nur in ihren hebräischen Übersetzungen in den jüdischen Kulturschatz aufgenommen worden. Diq Freiheit und geistige Anregung, die die Juden in den Ländern des Islams, besonders im maurischen Spanien genossen, brachte die l) Jüdischer Vorlag, Köln 1011.

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