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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 156

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Max Brod und seine Zeit
Date
1918-01-10
Page
Seite 156 (sequence 5)
Language
German
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156 Haltung« Denn das Wesentliche des Judentums ist für Brod seine Geistigkeit, die vor der Materie nicht (wie das Christentum) in weite Transzendenz flieht, sondern allem Materiellen geistigen Sinn zuerkennt. Es gilt durch Vernunft und Gefühl, durch Halacha und Hagada die materiell© Welt im gemeinschaftlichen Tun zu vergoistigen. Dieses Bemühen, jedes Ereignis münden zu lassen in die Unendlichkeit des Geistes: es ist das eigentliche Merkmal des „jüdischen Rationalismus". Politisch bekennt sich Brod zum Zionismus, der „aktiven Einstellung des jüdischen "Volkes als eines sein Schicksal selbstbestimmenden Faktors". Er erstrebt den jüdischen Staat, nicht als Machtbesitz, und als Selbstzweck, sondern nur als ein Mittel zur allmenschlichen Idealität. Die kosmopolitische Tendenz des Juden soll nicht vernichtet werden; im Gegenteil: die Konsolidierung als Volk wird dieso Tendenz stärken und zu großen Erfolgen führen. Mit diesen Ansichten mich kritisch auseinanderzusetzen, kann nicht meine Aufgabe sein. Nur soviel sei gesagt: Fraglich ist, ob der Nationalismus durch den Nationalismus totgeschlagen werden kann, sei dieser auch noch so edel. Mit diesem Bekenntnis zum jüdischen Geist und seiner jüdischen Politik liebt die letzte Stufe in der Entwicklung Max Brods an. Ihr entstammt bisher ein Werk: der Roman „Tycho Brahes Weg zu Gott". Groß aufgebaut und .von tiefer Problematik, handelt er von der neuen entschlossenen Gesinnung, wie es „Schloß Norncpygge" von der alten des Indifferentismus tat. Schon die feste und ausgeglichene Form, die aber von allen klassizistischen Kostümen sehr entfernt ist, gibt dieser Dichtung eine besondere Stellung. Ihre Sprache greift unter die Verwirrungen und Explosionen hindurch zu den letzten seelischen Einheiten. Daher ist dieser Roman aus der Zeit von 1600 alles andere als „historisch", als die Wiederholung einer Vergangenheit. Er nimmt vielmehr die Renaissance, Zeitalter der neuen Menschen und Probleme, als Vorwand für die Gegensätzlichkeit zweier Charaktere. Hier ist der ewig gequälte und verirrte Tycho, fanatischer Wahrheitssucher und herrisches Selbst; ihm gegenüber Kepler, der größere; Entdecker, beruhigt und von lateinischer Klarheit, doch ärmer an großen Bewegungen. Beide wurzeln in ihren Entscheidungen, die für beide die Wissenschaft ist. Für.Kepler ist sie die Sicherheit und Unbestechlichkeit der Methode, von jeder seelischen Verwirrung befreit. Für Tycho aber kann dies* nicht das Letzte sein; ihn treibt eine wilde Inbrunt zu himmlischeren Gedanken, in die Entwicklung zu Gott. Die letzte und göttliche Erlösung läßt Brod ihn dort ünden, wo er die eigene fand: im Judentum. Daß die harten Weisheiten der Wissenschaft und das laute Getriebe der Welt zusclianden werden an den Lehren des Talmud; die stille und kluge Innerlichkeit des Rabbi Low, die Hilflosigkeit des mächtigen Kaisers, dem der Rabbi und Tycho helfen sollen: dies alles und der tote Glanz des Kaiserschlosses bewirken es, daß die Verkündigung des Rabbi Löw all dieser Buntheit ein leuchtendes Ziel gibt und Tycho die endliche Erlösung. Das heimatlose und angefeindete Volk der Juden, in seiner Lehre mißverstanden wie er selbst: es wird Tycho

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