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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 157

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Max Brod und seine Zeit
Date
1918-01-10
Page
Seite 157 (sequence 6)
Language
German
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157 zum Symbol seines eigenen Schicksals. Durch den Rabbi erfährt er, daß Gott der menschlichen Dienste bedarf und daß auch die Klugheit heilig ist. Jetzt und am Ende seiner Tage findet Tycho den Weg zu' Gott: „Gott unter mir, der mir geholfen hat, wie Gott über mir, dem ich helfe. Da ist Gott eigentlich schon überall, der Machtvolle wie der Machtlose, der Helfende und der, dem geholfen wird." Bis hier reicht heute das Werk Max Brods, bis hier unsere Zeit. Es ist ein Weg durch Zweifel und Abenteuer zur Revolution der Idee. Kunst und Denken treffen sich wieder am gleichen Ort: wo es die leidenschaftliche und doch nüchtern-klare Entscheidung zum Geiste gilt, Unser neuer und tätiger Idealismus weiß seine Aufgaben und wird nicht zögern, sie" zu erfüllen, wo immer er sie auch antreffen mag. Die Enhvidkelung der "modern-hebräischen Sprache Von Rabbiner Dr. F. L. Bernstein, Pr. Stargard S]KS^C*C hebräische Sprache als Ausdrucksmittel der jüdischen Volks- * So kI Kultur viv& in vielen wissenschaftlichen Kreisen noch immer SÜks^C als ein. Objekt lediglich der orientalistischen Altertumswissenschaft angesehen. Soweit man sein Interesse den hebräischen Schöpfungen jüdischer Gesetzeslehrer, Philosophen, Sprachforscher, Geschichtsschreiber und Dichter der verschiedenen Epochen im Diasporaleben des jüdischen Volkes schenkte, sah man die Sprache dieser Literatur mit einer gewissen Berechtigung als ein mehr oder weniger geglücktes Kunstprodukt an. Der Maßstab, mit dem man an dieses spätere Hebräisch herantrat, blieb immer die klassische Sprache der Bibel. Die Gegenwart stellt die semitische Sprachwissenschaft auf dem Gebiete des Hebräischen vor eine neue Aufgabe. Das neue Objekt ist ein modernes Hebräisch, das nicht nur Sprache des Gelehrten, nicht mehr Kunstsprache, das die Sprache des Lebens ist. Die tot geglaubte hebräische Sprache ist zu neuem Leben wiedererwacht. Mit dem Volke der Bibel irrte zwei Jahrtausende hindurch auch seine Sprache über den ganzen Erdbali dahin, zu einem ruhelosen Schattendasein verurteilt. Seit einem Menschenaltcr etwa erlebt das gehetzte, müde Wandcrvolk der Juden ein seltsames Geschick. Auf dem heiligen Boden, auf dem sich im grauen Altertum die jüdische Volksgeschichte abgespielt hat, folgt der Jude wieder seinem Pfluge, bearbeitet seinen Weinberg, tummelt die mannbare Jugend wieder ihre Rosse; und dabei singt sie Lieder in der alten Sprache der Ahnen. Da« Land, das Volk und die Sprache vereinen sich nach langer Trennung 7.11 einem neuen innigen lebensfrohen Bunde. Zum Verständnis des Charakters der modern-hebräischen Sprache ist es notwendig, kurz die Geschichte, die das Hebräische in den zwei Jahrtausenden der nachbiblischen Zeit durchlebt hat, vor Augen zu führen.

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