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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 151

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Die Erklärung der Reichsregierung
Date
1918-01-10
Page
Seite 151 (sequence 4)
Language
German
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geschlossen hinter dem Prinzip, und ihm haben sich die täglich zu gewaltigeren Divisionen anschwellenden Heerhaufen des bürgerlichen Pazifismus zugesellt, der heute keine kleine ridiküle Sekte mehr ist, sondern eine riesenhafte Kulturbewegung von ungeheurer Kraft und Größe. Das mag man in einigen dumpfen Amtsstuben in Krakau und Warschau noch nicht gemerkt haben, wo der Blick zwischen gehäuften Aktenbündeln nicht weiter reicht als bis zum Gebäude des anderen Amts gegenüber; das mag man in einigen Parlamenten noch nicht gemerkt haben, die schon an sich die neuen Zeiten immer erst bemerken, wenn sie schon in voller Mittagshöhe stuhen, die aber jetzt noch ahnungsloser sind als je, weil sie vor dem Kriege von einer Masse gewählt worden sind, die der Krieg völlig umgeschmolzen hat: aber auf der freieren Höhe unserer Reichsregierung hat man offenbar empfunden, woher der Wind weht, der allmählich zum Sturm wächst, und hat sich beeilt, die Segel zu reffen. Wir haben das sprachlich-kulturelle Problem der Ostjuden niemals anders begriffen, denn als einen kleinen Teil eines weltumfassenden Problems allerersten Ranges, und unsere Hoffnung auf seine Lösung, die vielleicht nur stufenweise erfolgen wird, hat immer nur darauf beruht, daß die große Flut, die wir kommen sahen, auch dieses schwache Schiff lein flott machen und mit sich tragen würde. Es handelt sich nicht um Juden und Polen, es handelt sich um pancuropäSschc, panplauetarischo Notwendigkeiten; es handelt sich um ein Prinzip, um ein nicht länger einer Hinauszögerung fähiges Interesse der größten Gruppe der Erde, der europäisch-amerikanischen Kulturmenschheit: und uns bedeutet die Erklärung der Reichsregierung darum den Sieg dieses Prinzips. Von diesem Standpunkt aus ist es völlig gleichgültig, ob die Leiter unserer Ämter die volle Tragweite des Gedankens schon erfaßt haben oder nicht — von einigen der Männer dürfen wir es getrost annehmen —; ist es völlig gleichgültig, ob einige nur im Hinblick auf bestimmte praktische Ziele einen Teil dieses Windes in ihre Segel fassen mochten, bereit, zu gegebener Zeit das Steuer anders zu stellen und mit anderem Winde weiter zu segeln; genau das ist der Weg, wie Prinzipien sich geschichtlieh überhaupt und überall durchsetzen: als die Symbole kräftiger, kampffähiger Interessen. Wir sind wahrlich die letzten, die an die Macht von Ideen im alten transzendentalen Sinne glauben, aber wir treiben die Skepsis nicht bis zu der - Weisheit des Spießers, der die Ideen auch dann leugnet, wenn sie jedem klaren,Auge erkennbar sind als die heranjagende Schaumkrone der Sturmflut, als die Sturmfahnc der Millionen lebendiger Menschen, die auf dem Marsche sind, sich aus der tödlichsten aller Gefahren m erlösen. Das aber ist heute der Fall! Das Prinzip der sprachlich-kulturellen Autonomie hat in Rußland gesiegt, und das allein ist größer als der ganze Rest von Europa, Deutschland braucht es für seine Zwecke in Belgien, in Kurland und Litauen, wird es in Posen und Westpreußen gewähren müssen, um mit dem neuen Polen in Frieden zu bleiben, und hat in ihm vielleicht ein wertvolles Tausehobjekt in der Hand, um

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