Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 7 (10.1.1918)
- Article
- Die Erklärung der Reichsregierung
- Date
- 1918-01-10
- Page
- Seite 152 (sequence 5)
- Language
- German
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152 Frankreich über Elsaß und Lothringen" einigermaßen zu beruhigen. Für Österreich und Ungarn gibt es keinen anderen Ausweg aus seinen endlosen Schwierigkeiten: wir warten in Geduld ab, ob das neue Polen, in dem auf die Dauer die jetzt regierenden nationalistisch verhetzten Notabein denn doch nicht die Herrschaft ausüben werden, ihren Minderheiten wird verweigern können u n d w o 11 e n, was in einiger Zeit dos Kennwort, das Schibboleth der allgemein-europäischen Kultur sein wird. Der Soziologe weiß, welche Macht das „Prestige" allgemein anerkannter und, wie die Schweiz uns zeigt, bewährter Institutionen gerade auf junge unentwickelte und ehrgeizige Gemeinwesen ausübt. Wir wiederholen: wir sind weit davon entfernt, die augenblickliche praktische Bedeutung der Regierungserklärung zu überschätzen. Aber wir freuen uns ihrer als gute Europäer, weil sie einen Gedanken weiterträgt, ohne den die Staatengemeinschaft unseres Erdteils zugrunde gehen muß; — als Deutsche, weil unser Vaterland nicht gedeihen kann, wenn die Staatengemeinschaft leidet, in die es unlöslich verflochten ist, und weil das Bekenntnis zu dem Prinzip Deutschland wieder einmal, trotz aller Phrasen unserer Feinde, an der Spitze des starken Heeres zeigt, das die Zukunft orobernwill; — und schließlich als Juden, weil damit unseren Glaubensgenossen im Osten die Aussicht auf wirkliche Freiheit und Gerechtigkeit erschlossen wird, weil ihnen mindestens ein Ziel gesteckt worden ist, würdig des wundenbeladenen Kriegers der Zukunft, als den das Geschick Israel nun einmal zu seinem Fluch und Segen ausersehen hat. Unser Schiff ist auf gutem Wege; denn es steuert nach den Sternen in unserer Brust, nach dem sittlichen Gesetz in uns, das, um mit Kant zu sprechen, so wenig täuscht, wie der gestirnte Himmel über uns. Und darum ist unsere Befriedigung darüber, daß unsere Reichsregierung den Gedanken anerkannt hat, der uns vor allem geleitet hat, ebenso aufrichtig wie unser Dank an die M.änner, die die Zeichen unserer stürmischen Zeit zu deuten wissen. Das Prinzip hat seinen ersten Sieg erfochten — und der Endsieg ist sicher. Max Brod und unsere Zeit Von Dr. Rudolf Kayser, Berlin Pilfor Weg unserer Zeit ist wiedergegeben in dem Werk des Dichters ^iwll Max Br0(^ Nicllt S0} daß seino Bücher bewußte Zeitgeschichte ä&fe^C wären; sie geben auch keineswegs alle ihre Ereignisse und Erregungen. Doch sie zeigen die .wesentlichen Stufen der letzten zwanzig Jahre; sie sind die abgekürzten Wiedergaben wichtiger Motive der Gegenwart. Wir müssen wissen: die neue Dichtung übernimmt nicht mehr wahllos jeden Stoff. Sie hat den Standpunkt derer, denen Kunst die Technik seelischer Yerhaltungsweisen ist, überwunden. Sie gibt Entscheidungen: