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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-25 · Heft 6 (25.12.1917) · p. Seite 142

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 6 (25.12.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-12-25
Page
Seite 142 (sequence 3)
Language
German
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142 Vordergrund gegenüber der Kausalität. Nicht die Ursache, nicht der Urgrund darf so sehr das Problem des Wissens werden, das alle anderen Fragen verschlingen könnte, sondern die Frage nach dem Zwecke der Natur wird besonders in dem Zwecke der Menschenwelt zur Hauptfrage der menschlichen Erkenntnis. Und diesem Zweckender Natur, diesem Zwecke der Menschenwelt dient der einzige Gott als der einzige Erhalter, als die einzige Vorsehung der Natur und der Menschenwelt. Die Vorsehung ist es, welche für die Erhaltung, für die Erneuerung der Natur allem seinen Zweck setzt. Ohne diesen Zweck gewänne die Welt keinen S i n n. Oder hätte es etwa schon einen Sinn, wenn der Pantheismus aller Zeiten dekretiert, daß Gott und Welt identisch seien? Gibt diese Identität der Natur mit Gott auch nur der Natur einen wahrhaften Sinn? Sie kann ihr keinen geben, so wenig diese Identität dem. göttlichen Sein einen wahrhaften Sinn gibt. Nicht die Identität von Gott und Natur, sondern die Vorsehung Gottes für die Natur, sie erst gibt der Natur einen Sinn. Und in diesem Sinne der Welt leuchtet zugleich der wahre Sinn des einzigen Rottes auf. Die mythologische Erkenntnisweise, die sich weithin auch in der Theologie fortsetzt, bleibt an dem logischen Interesse haften, an der Frage nach dem Woher der Welt. Da bleibt die Schöpfung eine Befugnis der göttlichen Allmacht. Mit der Erneuerung an jedem Tage, welche die Schöpfung in die Vorsehung verwandelt, wird die Gotteslehre zur Teleologie, zur Zwecklehre aller menschlichen Erkenntnis. Und mit dem Zweck entsteht die Ethik, im Unterschiede von der Logik, der allgemeinen Denkmethode der Wissenschaft. Der Zweckgedanke begründet eine Spezialität in dieser allgemeinen Logik und auf Grund derselben errichtet er ein neues Gebiet der menschlichen Probleme, ein neues Gebiet, welches die Forschung spezialisiert und präzisiert zur eigentlichen Forschung des Menschengeistes und des Menschenwesens in der Menschengeschichte. Es läßt sich gar gut verstehen, daß der neuere Begründer des Pantheismus, daß Spinoza den Zweckgedanken gänzlich ausrotten will aus dem Arsenal der Erkenntnisbegriffe, daß er ihn als „das Asyl der Ignoranz4' brandmarkt. Er will es nur mit der Notwendigkeit der Naturgesetze, also nur mit der Kausalität zu tun haben. Für ihn soll es kraft der Naturgesetze kein anderes Sein als das der Natur geben. Und diese Natur sei eben identisch mit Gott. Wie aber läßt sich eine Ethik konstruieren, wenn man den ZweckfoegriH vernichtet hat? Unter den vielen Zweideutigkeiten, an denen das Lehrgebäude Spinozas von seinen Definitionen ab krankt, ist es nicht die geringste, daß er seine Metaphysik mit ihrem Anhang einer Psychologie der Affekte nicht nach diesem Inhalt bezeichnet, sondern daß er sein Buch Ethik benannt hat. Die Notwendigkeit der Naturgesetze ist sein Leitwort, und dieser Wegweiser soll zu einer Ethik führen! Die Notwendig-

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