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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-25 · Heft 6 (25.12.1917) · p. Seite 143

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 6 (25.12.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-12-25
Page
Seite 143 (sequence 4)
Language
German
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143 keif sei der alleinige Zweck; jeder andere Zweck führe nur in Unwissenheit. Die Natur selbst sei der Gott, den mit der Natur zugleich die Notwendigkeit begründet. Und der Mensch sei nur die menschliche Natur. Der Mensch hat außer der Notwendigkeit seiner Natur keinen Zweck. Ebenso hat auch Gott kein anderes Sein als in der Notwendigkeit der Naturgesetze. Da gibt es keine Schöpfung der Natur durch Gott, weil es keine Vorsehung für die Natur in Gott gibt. Da ist Gott nicht der einzige Gott, sondern hier enthüllt sich die Einheit in ihrer ganzen Gefährlichkeit: sie wird zum Verbindungsbegriffe von Natur und Gott. Hier ist Gott nicht der einzige Gott, sondern vielmehr nur die eine Substanz. Die Substanz ist der Grundbegriff der Logik und der Wissenschaft: hier wird sie zugleich zum Grundbegriffe der Ethik,, einer Ethik, für welche es den Menschen nur gibt als menschliche Natur, die koin.cn anderen Zweck hat als den ihrer naturgesetzlichen Notwendigkeit. Mit dem Zwecke ist die Ethik vernichtet, und ihr Name ist in jenem Buche usurpiert. Die Identität von Natur und Gott hat die Einzigkeit Gottes vernichtet: sie hat den Wert evident gemacht, den die Einzigkeit vor der Einheit hat. Über die Propheiie Bemerkungen zu dem Aufsatz von Dr. Elias Auerbach „Uber die Prophetie" Von Dr. Emil Levy, Straßburg fJF\ü Interesse las ich in dieser Zeitschrift (Heft 1 vom 10. Oktober 1917} L4W Ihre Bücherschau „Uber dieProphetie". Vieles darin muß ich billigen, einzelnes Wichtige ablehnen. Vor allem scheinen Sie — und Zweck dieser Zeilen ist, Sie und den Leserkreis dieser Zeitschrift darauf aufmerksam zu machen — einem Kardinalfehler verfallen zu sein, und ich würde bedauern, wenn er sich in Ihrem demnächst erscheinenden Buche bemerkbar machen sollte: Sie vollziehen die Gleichstellung „Sittliche Idee Gott'* (ähnlich wie Spinozas „deus. sive natura") und vindizieren Ihre These ..Gott und die sittliche Idee sind eins" für den altisraelitischen Prophetismus. Das ist entschieden zu weitgehend und hält der objektiven Prüfung nicht stand. Darin sind wir natürlich einig, daß die Heiligkeit, d. h. sittliche Vollkommenheit den Propheten das wesentlichste Attribut Gottes ist und daß diese daher in einem sittlichen Wandel die vornehmste Forderung der Gotteserkenntnis erblicken. Aber wir dürfen deswegen nie))! übersehen, daß ihnen Gott selber nicht Attribut, sondern Substanz ist! Mögen Sie oder mag eine philosophische Schule (FI. Cohen—Kellermann!) die Identifizierung Gott =■-•• Sittlichkeit mehr oder minder deutlich aussprechen. Wir kommen aber damit nicht um die Tatsache herum, daß den Propheten Israels Gott eine übergewaltige, im anthropomorphistischon Sinne persönliche Schicksalsmacht ist, der allmächtige Schöpfer;'!.er Welt, der sich in keinem philosophischen oder ethischen Scheidewasser auflösen lüßt. Es hieße die Weltanschauung der Propheten falschen, wenn man das übersehen wollte.

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