Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 6 (25.12.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-12-25
- Page
- Seite 141 (sequence 2)
- Language
- German
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ut ligion von der allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnis unterschiede: sie ist ein durchaus rationaler Begriff innerhalb der Logik des Seins. Wie die Einzigkeit Gottes in Einklang steht mit dem logischen Substanzbegriff, so auch steht die Schöpfung in Einklang mit dem Seinsbegriffe des einzigen Gottes. Die Schöpfung ist demgemäß innerhalb der jüdischen Glaubenslehre vorwiegend in diesem Geiste des Rationalismus aufgefaßt und ausgebaut, worden. Schon das erste Wort der Schöpfungsgeschichte, mit dem die Bibül beginnt, ist nicht lediglich in der Wortbedeutung des „Anfangs" festgehalten, sondern nach der übertragenen Bedeutung des „Vorzugs'1 gedeutet worden. Der Anfang gehört noch der Begriffsweit der Kosmogonie an. Aber selbst, der Terminus „Schöpfung im Anfang" ist nicht als maßgebend beibehalten, sondern der der „Erneuerung der Welt" ist ihm zur Seite gestellt worden. Und in das tägliche Gebet ist der Satz aufgenommen worden: „Der erneuert mit seinem Gute an jedem Tago beständig das Werk des Anfangs". Die Beständigkeit der Erneuerung ist somit zum Hauptgedanken gemacht worden, gegen den die Schöpfung im Anfang zurücktritt. Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Das Mysterium des Anfangs löst sich auf in das alltägliche Wunder der Erneuerung, mithin in das der Erhaltung der Welt. Der Schöpfer wird zum Erhalter. Die Einzigkeit Gottes vollzieht sich in der göttlichen Vorsehung. Ein gewaltiger Umschwung vollzieht sich mit dieser Umbildung indem gesamten religiösen Denken: ein Umschwung, der die Religion .von der Mythologie abscheidet und zu wahrhafter Originalität bringt. Jetzt steht nicht mehr die Schöpfung aus dem Nichts oder etwa aus einer Urmaterie in Frage, sondern das Nichts ist hinweggeschwunden, hat seine Auflösung gefunden in dem Ursprung des einzigen Seins Gottes. Das Nichts bildet nicht mehr das Schreckgespenst der Erkenntnis: die Einzigkeit Gottes ist zum Ursprung geworden für das Dasein der Natur. Der Ursprung gibt der Schöpfung ihre Bedeutung gegenüber dem Verzweiflungsgedanken von der Idcnität Gottes mit der Natur. Nicht identisch ist die Natur mit Gott, aber sie ist die Schöpfung Gottes, und diese Schöpfung erfolgt aus dem Momente des Ursprungs in dem einzigen Sein Gottes. Indessen ist die Schöpfung Erneuerung und als solche ein Werk der Beständigkeit, die in der Logik Kontinuität heißt. Es bleibt jedoch nicht bei dieser logischen Bedeutung der Erneuerung, in welche die Schöpfung sich verwandelt: in der Erneuerung verwandelt die Schöpfung sich in die Vorsehung. In der Vorsehung aber verwandelt sich die logische Bedeutung der Gottesidee in die c t Ii i s e h e Bedeutung, in welcher die eigentliche Grundkraft des einzigen Gottes zu ihrer vollen Entfaltung gelangt.' Der mythische Mensch interessiert sich nur für die Frage nach dem Woher der Weit: mit der Religion tritt diese Frage zurück, wird sie ■verdrängt von der neuen Frage: w o hi n? Der Zweck tritt in den