Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 6 (25.12.1917)
- Article
- Die außenpolitische Bedeutung der nationaljüdischen Bewegung
- Date
- 1917-12-25
- Page
- Seite 132 (sequence 5)
- Language
- German
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132 Auch darauf muß noch aufmerksam gemacht werden, daß ein kultiviertes und wirtschaftlich aufblühendes Palästina für Deutschland von sehr großer Bedeutung sein würde. Von sehr viel größerer wahrscheinlich, als die meisten anderen, Palästina an Umfang vielfach übertreffenden yordeiasiatischen Gebiete, deren Bewohner nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des jüdischen Stammes haben. Es dürfte der deutschen Diplomatie kaum sehr schwer fallen, der befreundeten türkischen die Einsicht beizubringen, daß der, bisherige türkische Besitz an Palästina doch recht fragwürdiger und äußerlicher Natur war, daß aber die wirtschaftliche Arbeit eines kulturell autonomen Judenvolks dieses Gebiet zu einem der erfreulichsten Besitztümer der Türkei zu gestalten vermöchte. Die Hauptsache ist, daß endlich Türkei und Mittelmächte etwas Ernsthaftes in dieser Sache tun, und es nicht dabei bewenden lassen, daß ihre Staatsmänner hie und da in politischen Gesprächen, dio die Öffentlichkeit nicht erreichen, sagen, daß auch ihnen die zionistischen Bestrebungen nicht unsympathisch seien. Das ist vollkommen ungenügend, besonders jetzt, nach der Einnahme Jerusalems durch die Engländer und der emsigen Tätigkeit der Entente in dieser Sache. Vor kurzem ging durch die Zeitungen dio Nachricht, daß zwischen England und den anderen Ententemächten bereits seit Anfang Oktober Verhandlungen stattfänden über die endgültige Form des in Palästina zu errichtenden jüdischen Staates, dessen Grundgedanken sämtliche Mächte bereits zugestimmt hätten. Von amerikanischer Seite seien für die Durchführung dieser Pläne gewaltige Geldmittel fest zur Verfügung gestellt worden. Diese Mitteilungen über den von Entente-Gnaden zu errichtenden jüdischen Staat klingen durchaus glaubwürdig, und der Fall Jerusalems wird unsere Gegner zu weiterer Tätigkeit anspornen. Und man darf nicht außer acht lassen, daß der Engländereinzug in Jerusalem, so unbedeutend er auch für den weiteren Gang und des Ende des großen Kampfes sein mag, ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung ist, das die britische Diplomatie nach allen Richtungen hin auszunützen nicht versäumen wird. Nun ist ja, wie österreichische Zeitungen berichtet haben, am 18. November Dr. Hantke, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, vom Grafen Czernin empfangen worden. Der Minister habe sich, so heißt es, von den politischen Aufklärungen Dr. Hantkes sehr befriedigt erklärt und ihm die Unterstützung der österreichisch-ungarischen Regierung bei der Türkei für die zionistischen Bestrebungen zugesagt. Das ist sicherlich ein Fortschritt. Aber wo bleibt Herr von Kühlmann, wo bleibt der türkische Minister des Auswärtigen, und wo bleibt vor allen Dingen eine gemeinsame und offizielle Erklärung der Türkei und ihrer Verbündeten von der positiven und klaren Natur, wie sie der Brief Balfours an Lord Rothschild darstellt? Das ist es, was jetzt nottut, und das auf die Juden der ganzen Welt (man denke auch besonders an die russischen) den größten Eindruck machen mußte. Eine solche Erklärung würde sicherlich von recht guten Folgen für die Mittelmächte sein und ihren Interessen sowohl wie den speziellen der Türkei aufs beste dienen.