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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-25 · Heft 6 (25.12.1917) · p. Seite 130

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 6 (25.12.1917)
Article
Die außenpolitische Bedeutung der nationaljüdischen Bewegung
Date
1917-12-25
Page
Seite 130 (sequence 3)
Language
German
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330 Kairo—Suezkanal—Palästina—Mesopotamien nach Indien und von J£airo nach dem Kap der guten Hoffnung durch rein englisches oder das Gebiet von England völlig abhängiger Staaten, ist eines der Hauptkriegsziele (vielleicht das' wichtigste) der großbritannischen Regierung. Diesem Kriegszweck vor allem soll die erwähnte englische Regierungserklärung zugunsten des Zionismus dienen. Daß die Durchsetzung dieses englischen Kriegsziels das Deutsche Reich, auch bei sonst günstigem Kriegsausgang, auf das allerschwerste treffen würde, das weiß in Deutschland heut© jedermann. Erobert hat England die für diesen Zweck in Betracht kommenden Gebiete nunmehr allesamt, man darf indes zuversichtlich, hoffen, daß es sie nicht behalten wird. Aber, wie dem auch sei: das Beispiel zeigt, wie großangelegt England seine weltpolitischen Pläne vorbereitet und seine auswärtige Politik betreibt. Man wird zugeben müssen, daß das wirklich Politik auf lange Sicht hinaus ist, eine Politik, die alle wichtigen Faktoren in Rechnung stellt und ausnützt für den Fall, daß sie gelingt, ohne sich eine Blöße zu geben, wenn sie mißlingen sollte. Nun wäre man eigentlich zu fragen versucht, weshalb die Mittelmächte nicht bereits lange vor den Engländern eine ähnliche offizielle Erklärung veröffentlicht haben; sie hätten damit einen Wind in die Segel bekommen, der jetzt die des stärksten und gefährlichsten Gegners steift. In Deutschland hätte man die Bedeutung der nationaljüdischen Bestrebungen ebenso rechtzeitig erkennen und ausnützen können wie in England, Und man würde, wenn man es getan hätte, oder wenn man es jetzt noch täte, den ungeheuren Vorteil der größeren Aufrichtigkeit auf seiner Seite haben. Ohne Zweifel ist es für Großbritannien leichter über türkisches Gebiet zu verfügen als für Deutschland. Großbritannien will die Türkei zerschlagen und aufteilen, Deutschland aber will sie, im Gegensatz hierzu, erhalten und kräftigen. Aber gerade deshalb würde eine Erklärung der verbündeten Mittelmächte für die zionistischen Wünsche in Palästina von großer Tragweite sein. Denn die jüdische Kolonisationsarbeat in Palästina ist heute bereits von wirtschaftlichem Nutzen für die Türkei. Sie würde jedoch, von den Türken planmäßig gefördert, für den ottomanischen Staat eine außerordentliche wirtschaftliche und politische Stärkung sein. Von dem wirtschaftlich-finanziellen Ergebnis der bisher nur spärlichen jüdischen Besiedelung ganz abgesehen: wie würden aber die Dinge stehen, wenn Palästina einmal von ©Iner Million oder auch von zwei oder noch mehr Millionen jüdischer, dorn türkischen Staat ergebener Bürger, bewohnt wäre? Denn auf die feste Zugehörigkeit eines jüdischen Palästinas zum türkischen Gesamtstaat können die Türken unbedingt rechnen. Zwar erstreben die Juden dort eine kulturello Autonomie und eine gesicherte jüdisch-nationale Entwicklung. Aber nur innerhalb, nicht außerhalb des türkischen Gesamtstaates. Denn die Zionisten wissen sehr wohl, daß die nationale Selbständigkeit im Rahmen eines größeren Staatenverbandes für eine kleine Nation die heute einzig mögliche Form wirklicher Selbständigkeit sein kann. Ohne den Rückhalt, den der größere Gesamt-

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