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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-10 · Heft 5 (10.12.1917) · p. Seite 108

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 5 (10.12.1917)
Article
Jüdische Gemeinschaft
Date
1917-12-10
Page
Seite 108 (sequence 3)
Language
German
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108 ein psychologischer Akt, ein Erlebnis, das nicht mit Menschen verbindet, sondern eher isoliert und allgemeiner Bedeutung entbehrt. Vielmehr stellt sie sich für uns auf jenen beiden Gebieten dar, die die deistißche Aufklärungsphilosophie ihr zuwies: als Metaphysik und Ethik. Beide sind Gemeinschaften des Glaubens; ihre Inhalte haben Wahrheitsgehalt Im Gegensatz zur Mystik geht es in der religiösen Gemeinschaft nicht an, auf Wahrheit zu verzichten. Der Gott, der die ewige Weltordnung ist und das menschliche Sittengesetz, muß durch alle Mysterien und Offenbarungen hindurch erkannt werden können (der Mystiker begnügt sich mit solipsistischer Schau). Das Rufen zu ihm, das Gebet der Menge, die allgemeine Geographie des Kosmos und des JGthos: sie sind nur möglich, wenn allen das Licht Gottes aufging als einer Existenz (weswegen auch alle Gottesbeweise, so naiv-scholastisch sie auch sind, nie von Mystikern, sondern von den Religiösen der Gemeinschaft versucht wurden). Diese Existenz ist natürlich nicht im vitalistischen Sinne des Lebens zu verstehen, sondern im logisch-metaphysischen des Seins: als etwas, das über der empirischen Sinnenwelt da ist und wertvoller als diese; denn sie gebietet ihr als kosmologische Ordnung und ethisches Postulat. Nur eine Gottesexistenz (und nicht ihr bloßer geometrischer Ort) läßt sich der atmenden Intensität der Erde gegenüberstellen. Die metaphysische Gemeinschaft der Juden mit Gott ist beschlossen in der Idee des reinen Monotheismus. Gott als letzte und einheitliche Ursache der Welt als seine Schöpfung: diese unendlich einfache Beziehung ist der Gemeinschaftsbildung bei weitem günstiger als die bunte Mythologie und Kosmologie der BabyJonier und Assyrer; denn sie ist einer Vielheit wahrscheinlicher. Sie gründet sich weniger auf Offenbarung als auf Evidenz, nicht auf das Dogma der Überlieferung, sondern auf die Notwendigkeit einfacher Ordnung. Sie ist die Gemeinschaft zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer, der selbst vollkommen ist. Die Voraussetzung der Vollkommenheit, die sich an das metaphysische Dasein Gottes knüpft, zeigt gleich, wie sehr viel vordergründiger und betonter die ethische Gottesgemeinschaft im Judentum ist. Denn die Superlative, die der jüdischen Gottesidee angehören, sind als Vorbild im Menschlich-Sittlichen bei weitem wirksamer als in der Naturbetrachtung. Die ethischeGottesgemeinschaftist symbolisiert in dem allgemeinen Glaubensbund, den Jahwe mit seinem Volke schloß. Er ist das Wissen aller um den göttlichen Geist, nicht bloßer Trieb zum Transzendenten, ein Gefühl und ein Traum, sondern die sittliche Wahrheit über die Welt, Er ist keine Verhaltungswcise zum Absoluten, sondern das Absolute als Inhalt: als erkanntes Soll und Bewußtsein vom Guten. Wir müssen (für alle Entscheidungen über Jüdisches) wissen, daß dieser Gottesbund, die Hingabe aller an die gemeinschaftliche Idee, die letzte Quelle des jüdischen Geistes ist. Jeder von uns hat Augenblicke und Begegnungen, wo er sein Judentum ernsthaft entdeckt. Es ist nicht mehr Überlieferung und die dunkle Gewalt psychischer Artung. Sondern

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