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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-10 · Heft 5 (10.12.1917) · p. Seite 102

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 5 (10.12.1917)
Article
Deutschlands auswärtige Politik und die östlichen Fragen
Date
1917-12-10
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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102 mit dem russischen' Nachbarreiche, deßßen Wirtschaft sich mit der Deutschlands auf das beßte"ergänzt, am ehesten zu verwirklichen;; Und hierdurch würde auch; noch ein weiteres Ziel erreicht werden könnon. Wenn Deutschland und Rußland, deren gegenseitige Interessen sehr wohl miteinander vereinbar sind, in Freundschaft miteinander leben, so legen sie damit den Grundstein zu einem von der englischen Politik unabhängigen festländischen Europa. Das.ist es, was unserem Erdteil not tut. Lange genug; hat Großbritannien die Gegensätze der europäischen Festlandsmächte für seine eigenen politischen Zwecke auszunutzen verstanden. Dem ein Ende zu machen und Europas ruhige Weiterentwicklung zu sichern, muß einer^der Hauptgesichtspunkte sein, auf den die deutsche Politik einzustellen ist. Und nur auf diese Weise wird es möglich sein, den unglücfeöligen historischen Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich allmählich aus der Welt zu schaffen, und zugleich die belgische IJfae^ befriedigend zu lösen. Selbstverständlich darf Deutschland, w8rin es diesen ihm geradezu vorgozeichneten Weg gehen will, nichts tun, das russische Lebensinterei3Ben verletzt. .Es muß also z.B. ebensowohl ein Mittel finden, das der russischen Flotte die freie Dardanellendurchfahrt sichert, wie es dafür sorgen muß, daß dem Russischen Reich der freie Weg in die Ostsee imbeschränkt erhalten bleibt. Man kann nicht mit unbedingter Sicherheit darauf bauen, daß die deutsche Diplomatie die Zeichen der Zeit verstehen wird. . Und möglicherweise ist die Stunde nicht mehr so fern, in der England auf Koston seiner Verbündeten zu einem Endo zu kommen trachtet. Wenn die deutsche Diplomatie, was wir allerdings nicht hoffen, dieser, englischen Verführung erliegea würde, so bliebe das Reich in derselben gefährlichen und isolierten Lage wie vor dem Krieg. Aus ihr herauszukommen ist aber die Hauptsache. Kein Ausgang des Krieges, welcher Art er auch sei, kann genügen, wenn es nicht gelingt, die jetzt gegen uns stehende feindliche Koalition zu sprengen. Am leichtesten und sichersten kann Rußland aus dem Ring herausgebrochen werden. Dazu ist freilich (abgesehen von dem bereits oben Gesagten) nötig, daß keine der östlichen Fragen einseitig von den Zentralmächten, sondern gemeinsam und in Verständigung mit Rußland gelöst werde. Es darf also, das ist der praktische Fall, weder das Schicksal Polens noch Litauens oder Kurlands während des Krieges endgültig von Deutschland und östeTreich-Ungarn bestimmt werden. Das neue demokratische Rußland hat allen seinen Völlcern das Recht der Selbstbestimmung zugesichert. Die Mittelmächte'baben den Bewohnern der . von ihnen eroberten Gebiete das gleiche yer&prochen. Da kann es unmöglich schwer Göhl,- mit Rußland -zusammen, nicht aber gegen Rußland,. eine allen Beteiligtöh annehmbare Lösung zu finden.; Und nur aüi diese Weise wird man einigermaßen unverletzt wieder aus-'der polnischen Wirrnis-herauskommen, "Dehn-darüber täusehe man sich* nicht: ein von Rußland durch deutsche militärische Macht ohne das russische Einverständnis losgelöstes Polen würde nimmermehr Deutschlands Freund sein. Alle bisherigen Erfahrungen sowohl wie auch die

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