Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 5 (10.12.1917)
- Article
- Deutschlands auswärtige Politik und die östlichen Fragen
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
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ioi Ruhe der Zukunft willen, ein politisches Freundschafteverhältaäs zwischen Deutschland und Rußland erstreben und auch die Krior;npolitik dem anzupassen suchen. Seit Jahr und Tag habe ich, gemmsam mit einer großen Anzahl Gleichgesinnter, diesen Standpunkt in Wort und Schrift vertreten und ihm in zahlreichen Aufsätzen der „Sozialistischen Monatshefte*4, der „Vossischen Zeitung*4 und des „Vorwärts44 Ausdruck verliehen. Selbst wenn man zu Beginn dieses gewaltigen Ringens den Gedanken an eine schließliche Verständigung mit England nicht aufgeben mochte: die erdrückende Fülle der Tatsachen dieses Krieges hat uns mit einer Eindringlichkeit ohnegleichen dargetan, daß an eine wirkliche Verständigung mit Großbritannien nicht zu denken ist. Das Britische Reich, wahrscheinlich auch die mit ihm verbundenen Vereinigten Staaten, werden auch nach dem Kriege nicht unsere Freunde sein. Sie werden uns vielmehr mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu erschweren suchen, und sie haben hierfür bereits eine Vorarbeit geleisteS, die sich sehen lassen kann. Diö Zerstörung fast unserer gesamten überseeischen wirtschaftlichen Verbindungen ist, im Grunde genommen, bereits nichts anderes als der Krieg nach dem Kriege. Für den gegenwärtigen Kampf und seine Führung kann das englisch-axnerikaniselse Zerstörungswerk uns nichts schaden. Die fehlenden Verbindungen werden erst dann wieder richtig fühlbar werden, wenn der Wiederaufbau unserer Friedenswirtschaft beginnt und es gilt, die unterbrochenen Handelsbeziehungen wieder anzuknüpfen. Dann soll das angelsächsische Zerstörungswerk seine hemmende Wirkung tun, und nahezu alle gegen uns gerichteten Kriegsmaßnahmen Englands sollen diesem britischen Hauptzweck des Krieges dienen. Nichtsdestoweniger müssen wir natürlich auch mit Großbritannien zum Frieden (also auch zu einer Verständigung) gelangen, wenn der Krieg ein Ende nehmen soll. Das ist selbstverständlich. Und auch die, die ein gutes Verhältnis Deutschlands zu Rußland erstreben, haben keineswegs den Wunsch, daß es zu England nach dem Kriege schlecht sein möge. Durchaus nicht. Aber es ist ein Unterschied zwischen dem, was man wünscht und dem, was nach nüchterner Voraussicht sein kann und sein wird. Und da wird man mit einiger Sicherheit sagen können, daß die beiden angelsächsischen Imperien uns auch nach dem Krieg nicht gerührt in die Arme sinken werden, und daß die Verständigung, die den Krieg beendet, an dieser Stelle keine sein wird, der Freundschaft und Hilfeleistung auf dem Fuße folgen. Aus.dieser Auffassung ergibt sich von selbst die Notwendigkeit eines Zusammengehens mit Rußland. Nicht etwa zum Zwcc!:# aggressiven Vorgehens gegen die verbündeten angelsächsischen Reicko-. Ganz gewiß nicht. Daß sich aber das Deutsche Reich in .defensive? Weise gegen die Übermacht der englisch-amerikanischen Weltmächte die Stellung zuerringen, sucht, auf die seine wirtöchaftlichon. und geistigen Leistungen ihm einen Anspruch geben: das ist nicht nur sein Recht, das ist auch seine ethische Pflicht. Diesen Zweck verorg Deutschland durch ein dauerndes politisches Freundschaftsverhältnis