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Neue jüdische Monatshefte · 1917-11-10 · Heft 3-4 (10.11.1917) · p. Seite 85

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 3-4 (10.11.1917)
Article
Die Juden der pyrenäischen Halbinsel bis zur Katastrophe des Jahrs 1391
Date
1917-11-10
Page
Seite 85 (sequence 6)
Language
German
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65 Eine festere Gesamtorganisation erhielten die Gemeinden des Khalifsits, als nach dem Tode dos R. Mose seinem Sohn, R. Chanoch, den Lehrstuhl des Vaters ein Nebenbuhler, Joseph ibn-Abitur, streitig* machte. Zur Partei des letzteren gehörte der Seidenfabrikant Jakob ibn-Gau, den die Gunst des Almansur zum Oberrichter erhob mit Befugnissen, die nicht nur äußerlich denen eines babylonischen Exilarchen ähnelten. Außer der richterlichen Gewalt fiel ihm die Erhebung der Steuern zu. Als, er freilich nicht genug Geld ablieferte, ließ ihn Almansur ins Gefängnis werfen, und wenn ihn auch der Khalif selbst befreite, so gewann damals eine Verfassung überhaupt noch keinen dauernden Bestand, die später auf der Pyrenäenhalbinsel mehrfach nachgeahmt werden sollte. Das Khalifat zu Cordova ist gleich dem zu Bagdad der Auflösung anheimgefallen. Unter den Kämpfen, die seinen Sturz begleiteten, hatten gerade die Juden der Hauptstadt am schwersten zu leiden. Zu denen, die nach der Plünderung Cordovas im Jahre 1013 fortzogen, gehörte Samuel ibn-Nagrela, der später in dem neu entstandenen Teilreiche Granada eine große Rolle spielte als Wesir der Könige Hahns und Badis. Sein Sohn Joseph freilich, der dem Vater nach dessen Tode (1055) in Würden und Ämtern nachfolgte, .fand elf Jahre später ein gewaltsames Ende, und zugleich mit ihm wurden noch viele Juden niedergemetzelt. Diese erste eigentliche Verfolgung durch Mohammedaner auf dem Boden der Pyrenäenhalbinsel hatte jedoch ebensowenig weittragende Folgen als tiefcrliegende Ursachen. Wenn die Juden damals ihre .Güter in Granada verkaufen und auswandern mußten, so sind sie doch später wieder dorthin zurückgekehrt. Immerhin durfte das Aufflammen des Glaubenshasses als ein übles Anzeichen gelten. Von Alleinherrschaft der Juden war in dem Spottgedicht die Rede, das die Menge gegen Joseph aufreizte. „Daß sie Hauptstadt und Provinzen unter sich teilten4', wollte der Dichter gesehen haben, „überall befiehlt einer dieser Verfluchten.'* Granada ist nicht das einzige der aus dem Khalifat hervorgegangenen Teilreiche gewesen, in dem Juden an der Staatsverwaltung erheblichen Anteil nahmen. In Sevilla erhielt ein Gegner des Samuel ibn-Nagrela, der vor ihm hatte weichen müssen, Joseph ibn-Migasch, ein hohes Amt, und der Beherrscher von Saragossa machte 10GG den Abu-Fadhl-Chasdai zu seinem Wesir. Daß ausschließlich finanzielle Interessen den Fürsten die Dienste von Juden nützlich erscheinen ließen, darf keinesfalls angenommen werden. Samuel ibn-Nagrela, der vielseitig gebildet war, aber als Flüchtling in Malaga kümmerlich vom Kleinhandel lebte, erregte durch schöne Schrift und gewandte Handhabung der arabischen Sprache zuerst die Aufmerksamkeit des 'Wesirs, neben dessen Palast er seinen Laden hatte. Abu-Fadhl-Chasdai. dichtete mit hervorragender poetischer Begabung arabische Lieder, während Jischaki, der Leibarzt der Fürsten von Denia, eine hebräische Grammatik schrieb, in der er kritische Ansichten über die Entstehung des Pentatcuch äußerte.

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