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Neue jüdische Monatshefte · 1917-11-10 · Heft 3-4 (10.11.1917) · p. Seite 84

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 3-4 (10.11.1917)
Article
Die Juden der pyrenäischen Halbinsel bis zur Katastrophe des Jahrs 1391
Date
1917-11-10
Page
Seite 84 (sequence 5)
Language
German
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84 legung einer alten Prophezeiung der Ommajade sein Leben verdankte. Ungleich deutlicher tritt die. Gestalt des Chasdai ibn-Schaprut aus der Überlieferung entgegen, der bei Abderrhaman III. eine hervorragende Rolle spielte. Sein eigentliches Amt war anscheinend das Sekretariat für lateinische Korrespondenz. Damit wird es zusammenhängen, daß ihm der Empfang von Gesandtschaften oblag, die am Hofe des Khalifen eintrafen. Ungemeines diplomatisches Geschick besaß er nach dem Bericht über sein Verhalten gegen den Abt Johann von Gorze, der eine Botschaft für den deutschon König Otto I. in Cordoya auszurichten hatte, und er bewährte es aufs glänzendste in Verhandlungen mit christlichen Fürsten aus dem Norden des Landes. Daß er auch in der Finanz- Verwaltung tätig war, geht aus einem Schreiben an den Khan der Chazaren hervor, über dessen Bekenntnis zum Judentum er näher unterrichtet zu werden wünschte. Wissenschaftliche Interessen lagen schon dem Vater des Chasdai nicht fern; er selbst hat sich mit Medizin beschäftigt, die Erfindung eines Heilmittels wird ihm nachgerühmt, und ein Werk des griechischen Arztes Dioskorides, das der Kaiser von Byzanz dein Klialifen als Geschenk sandte, übersetzte er ins Arabische. Etwa um die Mitte des 10. Jahrhunderts, als bereits Chasdai sich hohen Ansehens erfreute, geschah ein für das Geistesleben der Juden Spaniens entscheidendes Ereignis, die Einführung des babylonischen Tahnudstudiums in das Lehrhaus zu Cordoya. Von den vier Gelehrten, die, wie berichtet wird, der Gaon der verfallenden Hochschule Suhl aussaiidte, um Unterstützungsgelder zu sammeln, und die unterwegs in Gefangenschaft gerieten, wurde der eine, R. Mose-ben-Henoch, nach Cordova verschlagen, wo er ausgelöst, gar bald durch seine Gelehrsamkeit Aufmerksamkeit erregte, und wenn nun bisher die Kenntnis des Talmud eine recht dürftige gewesen war, so gewann das von R. Mose gegründete Lehrhaus um so leichter überragendes Ansehen. Die geistigen Bestrebungen der Juden in Spanien hatten fortan nicht so ausschließlich den Talmud zum Mittelpunkt wie in Nordfrankreich und Deutschland. Mit der hebräischen Sprache in grammatikalischer Hinsicht mußten sie sich freilich wohl bescliüftigen, um besser in ihr Verständnis einzudringen, und daß die gewiß recht mühsam gewonnene Fertigkeit im Hebräischen Anwendung fand, um auf Chasdai, den Förderer der Studien Loblieder zu dichten, kann nicht wundernehmen; aber auch mit der arabischen Gelehrsamkeit machten sich gewiß schon damals die Juden vertraut. Später sollte daher bei ihnen die Religionsphilosophie des Gaon Saadia Wiederaufnahme und Fortbildung finden. Spanien trat in jeder Beziehung das Erbe Babylomens an. Zunächst hatte freilich die Wirksamkeit des R. Mtose die völlige Lösung des äußeren Zusammenhanges zwischen den beiden Hauptsitzen des Judentums zur Folge, falls ein solcher überhaupt noch vorhanden war. Als Dojan der Gemeinde Cordova übte er die Funktionen eines Gaon, bestellte die Richter für andere Gemeinden und entschied über Berufungen gegen deren Urteile.

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