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Neue jüdische Monatshefte · 1917-11-10 · Heft 3-4 (10.11.1917) · p. Seite 83

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 3-4 (10.11.1917)
Article
Die Juden der pyrenäischen Halbinsel bis zur Katastrophe des Jahrs 1391
Date
1917-11-10
Page
Seite 83 (sequence 4)
Language
German
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A3» QJ> Ihre Sache dürfte es gewesen sein, den Vertrieb der Fabrikate, die sie herstellen ließen, wahrzunehmen, wie sie denn mit Almansur, dem leitenden Minister des unmündigen Khalifen Hischam IL, persönlich in dessen Palast zu tun hatten. Daß die Juden Spaniens sich noch mit mancherlei anderen Handwerken befaßten, darf aus späteren Zuständen geschlossen werden, und ebenso, daß sie dem Landbau nicht ferngeblieben sind. Für die gesamte, mehr als drei Jahrhunderte umfassende Epoche von der arabischen Eroberung bis zum Untergang des Khalifats, müssen wenige Andeutungen in den Berichten über die Geschichte des Zeitraums genügen, die freilich wohl nur deswegen so spärlich ausgefallen sind, weil die Juden, wie auch sonst im Machtbereich des Islam, in wirtschaftlicher Hinsicht keine besonderen kennzeichnenden Eigentümlichkeiten aufzuweisen hatten. Die Religion war ihr unterscheidendes Merkmal und nichts weiter. Denn es ist schlechthin undenkbar, daß sie inmitten des Völkergemisches von Iberern, Kelten, Phöniziern, Römern und Goten, dem nunmehr wiederum die Einwanderung von Arabern und Berbern neue recht disparate Bestandteile zugefügt hatte, allein die Reinheit der semitischen Rasse bewahrt haben sollten, der vielleicht nur ein Bruchteil seinem Ursprung nach angehörte, denn die Aufnahme von J^roselyten ist auch nach dem Ende der Römerzeit schwerlich außer Übung gekommen, und Mischehen, unter westgotischer Herrschaft schlechterdings gefordert, sind ohnehin damals und später gewiß nicht allzu selten gewesen. Nicht die bei vielfältigster Rassenmischung höchst zweifelhafte Abstammung, sondern die Religion bildete eben auf der pyrenäischen Halbinsel das maßgebende Moment für die Unterscheidung von Juden, Christen und Mohammedanern. Um die Religion und deren Pflege als Mittelpunkt gruppierte sich auch die eigenartige Geisteskultur, die unter den Juden emporblühte. An günstigen Voraussetzungen für eine Entwicklung ihrer geistigen Fähigkeiten fehlte es keineswegs. Zweck der von den Khalifen befolgten Politik war es nicht, die Untertanen verschiedenartiger Nationalität und verschiedenen Glaubens getrennt zu halten, sondern vielmehr sie einander näherzubringen durch gemeinsame Bildung. Wenn die arabische Sprache, die ausschließlich am Hofe und bei den Behörden angewandt wurde, selbst bei den Christen vielfach das Latein verdrängte, so hatten die Juden vollends keinen Grund zu besonderer Vorliebe für die Sprache der Kirche. Im alltäglichen Leben mengten sie wohl gleichwie die christlichen Mozaraber dem Arabischen vielerlei romanische Wörter bei, aber gerade die reine Schriftsprache, deren kunstgerechte Handhabung sich hoher Wertschätzung erfreute, mußte sie zu erlernen bemüht sein, schon weil sie sonst nicht hätten Stellen im Staatsdienst bekleiden können, zu denen sie wie in anderen mohammedanischen Ländern so auch in Spanien herangezogen wurden. Bereits der Gouverneur von Marokko hatte, als Abdcrrahman, der spätere Khalif, dorthin kam, zum Ratgeber einen sehr gelehrten Juden, auf den er mit abergläubischer Festigkeit hörte, und dessen kluger Aus-

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