Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 3-4 (10.11.1917)
- Article
- Die Juden der pyrenäischen Halbinsel bis zur Katastrophe des Jahrs 1391
- Date
- 1917-11-10
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
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62 aus der Ferne entsandten Statthaltern so vielfach das Land heimsuchten, setzte die Begründung einer selbständigen Herrschaft, allerdings nicht für die Dauer, ein Ziel. Bei einer Erhebung von Toledo, das an Bedeutung hinter der neuen Hauptstadt Cordova zurücktrat, werden auch die dort wohnhaften Juden als beteiligt genannt. Immerhin führte das Khalifat einen wirtschaftlichen Aufschwung in Spanien herbei, der als sehr erheblich angesehen werden muß. Es kann dafür einen Maßstab abgeben, daß die Staatseinkünfte von 3Ö0 000 Goldstücken unter dem ersten Ommajaden, Abderrahman I. (755—788), auf eine Million unter Abderrahman H. (822—852) und auf 5 408 000 unter Abderrahman IH. (912—961) angewachsen sein sollen. Am meisten zu der Steigerung trugen jedenfalls die bei der Ein- und Ausfuhr von Waren erhobenen Zölle bei, zog doch aus ihnen schließlich der Khalif den Hauptteil seiner Einnahmen. Die Ursache aber für die Zunahme des Ertrages lag in dem vergrößerten Warenumsatz. . Der Handel Spaniens muß einen gewaltigen Aufschwung genommen haben, und er ist keineswegs wie in späterer Zeit auf den Export von Naturprodukten, die das Land in reicher Mannigfaltigkeit bot, beschränkt geblieben, sondern ganz im Gegenteil, es gelangten offenbar die Erzeugnisse der einheimischen Industrie, deren hohe Entwicklung nicht umsonst gerühmt wird, zur Ausfuhr nach dem Orient sowohl, als nach dem christlichen Abendlande. Daß mm jüdische Kaufleute an dem so lebhaften Verkehr sich beteiligten, darf für sicher gelten. Einigermaßen deutlich sind ihre Spuren aber nur im Norden zu erkennen, während anderwärts, bei dem regen Leben, das damals die Welt des Islam erfüllte, die von ihnen entfaltete Tätigkeit viel weniger hervorgetreten sein wird. Der Geschäftszweig, um dessenwillen sie das fränkische und später das deutsche Reich durchzogen, hatte freilich auch für Spanien eine ganz eigenartige Bedeutung. Sklaven, die aus den Slawenländern stammten, haben die Khalifen des zehnten Jahrhunderts mit Vorliebe in ihr Heer eingereiht. Als ein Lieferant des gesuchten Artikels wird jener Ibrahiin-ibn-Jahub zu betrachten sein, dessen Bericht über den Osten in das Werk eines spanisch-arabischen Geographen Aufnahme fand, und gewiß nicht mit leeren Händen ist der Kaufmann am Hofe Kaiser Ottos erschienen. Seidenzeug, das er mitgebracht haben mag, fand wohl ebenso bereitwillige Abnehmer wie solches aus Konstantinopel. Die hohe Blüte der Seidenweberei hat im mohammedanischen Teil der Pyrenäenhalbinsel, sehr lange Bestand gehabt. Daß ausschließlich von nichtjüdischen Arbeitern das Gewerbe betrieben wurde, ist wenig wahrscheinlich in Anbetracht des Umstandes, daß es auf der Balkanhalbinsel guten Teils in den Händen von Juden lag. „Jakob ibn- Gau und sein Bruder Joseph lieferten für den Hof kostbare Seidenstoffe und Kriegsfahnen mit kunstvoll eingewebten arabischen Sinnsprüchen, Emblemen und Verzierungen." Selbst am Webstuhl gesessen haben die Brüder schwerlich, deren älterer um 985 „zum Fürsten und Oberrichter über sämtliche jüdische Gemeinden" des Khalifats erhoben worden ist.