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Neue jüdische Monatshefte · 1917-11-10 · Heft 3-4 (10.11.1917) · p. Seite 78

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 3-4 (10.11.1917)
Article
Das babylonische Exil
Date
1917-11-10
Page
Seite 78 (sequence 4)
Language
German
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78 der ersten staatlichen Epoche wird im großen ganzen auch von Herzfeld geteilt<). Die Hinfälligkeit dieser Konstruktion liegt jedoch auf der Hand. Der Agrarcharakter der vorexilischen jüdischen Gesellschaft ist offenbar. Er kommt in der Agrargesetzgebung Mosis, in dem Fehlen eines festumrissenen Schuldenrechts, und eines Kreditsystems und im absoluten Zinsverbot zum Ausdruck. Einen auffallenden Reichtum weist die hebräische Sprache in bezug auf alles, was mit Ackerbau und der Viehzucht in Verbindung steht. Auf die Landwirtschaft haben alle Verordnungen, Drohungen und Verheißungen der Bibel Bezug, Von der Epoche* zu Beginn des Königtums, als die herrschenden Philister keine Eisenschmiede im Lande beließen, heißt es wörtlich im biblischen Bericht: „Ganz Israel (kol Israel) ging zu den Philistern, damit jeder sein Pflugschaar und seine Axt schleife". (Sam. I 13, 20). Die Beden der Propheten sind voll von Bildern und Gleichnissen aus dem Bauerniebon; der geruhige, sorglose Kleinbauer, der „unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sitzt" ist der ersehnte Idealzustand. Der -Jahresbeginn des Marcheschwan ist der Beginn der Feldarbeit; das „Fest des Einsammelns am Ausgang des Jahres" bildet den Abschluß des Landwirtschaftsjahres. Von höchster Intensität der Kultur zeugt die in der Regierungszeit des Königs Achas vorgenommene Terrassierung der Berge (Jes. 7, 25), deren Spuren dem Touristen noch heute erkennbar sind. Die eigenwirtschaftliche Struktur der vorexilischen Gesellschaft liegt auf der Hand. Der Handel ist auf die Ausfuhr des Überschusses der landwirtschaftlichen Produktion gegen Einfuhr anderer benötigter Artikel beschränkt. (Salomo bietet Hiram für das von ihm zu liefernde Baumaterial für den Tempel 20 000 Kor Weizen, 20 000 Kor Gerste, 20 000 Bath Wein und das gleiche Quantum öl an. Chr. II 2,7 IT.) „Jehuda und das Land Israel haben mit dir — Tyrus — gehandelt und haben dir Weizen von Minith und Balsam und Honig und öl und Masstix auf deine Märkte gebracht", heißt es Ezechiel 27, 17. Aus den biblischen Quellen gewinnt man jedoch den sicheren Eindruck, daß auch dieser Handel nicht in jüdischen Händen lag, sondern von fremden Kaufleuten besorgt wurde, also eigentlich „Passivhandel" war. Weder der Abnehmer noch die Einkäufer^ ja nicht einmal die Führer der zahlreich durchs Land ziehenden Karawanen waren Juden, sondern Söhne Midians, Seba und Dedan, Nabatäer, Kedaräer und andere Völkerstämme 5). Jerusalem war eben das „Schaar ha-aminri", das Tor. der Völker (Ezechiel 24. 2). Sehr bezeichnend ist es doch wohl, daß der sehr häufige Ausdruck für Händler „Kenaani" — Kanaaniter ist. Palästina war und blieb Agrarland. „Wir bewohnen kein Land am Meer und erfreuen uns nicht des Seehandels oder sonstigen Handels", berichtet Josephus (Contra Apionem 1, 12). Dasselbe geht für eine spätere Zeit aus den Evangelien hervor. *) Prof. Dr. L. Herzfeld, Handelsgeschichte der Juden des Altertums. Braunschweig 1894. ß) Vgl. Alfred Bertholet, Die Stellung der Israeliten und der Juden zu den Fremden, 1896, 2, ff.

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