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Neue jüdische Monatshefte · 1917-11-10 · Heft 3-4 (10.11.1917) · p. Seite 79

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 3-4 (10.11.1917)
Article
Das babylonische Exil
Date
1917-11-10
Page
Seite 79 (sequence 5)
Language
German
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79 Welche Verhältnisse fand nun das Ackerbauvolk Judäas im neuen Wohnland, Babylonien .vor? Viermal nacheinander erfolgten die Abführungen (um 605, 602, 598, und — die umfänglichste — um 587; eine unerhebliche Abschiebung auch um 582) und auch räumjich waren die Exulanten nicht geeint. Ein Teil wurde in das nordwestliche Mesopotamien, ein anderer an den mittleren Euphrat, ein dritter (vermutlich) an den oberen Tigris, in der Nähe der Sitze der von Assur Weggeführten, ein vierter in die östliche Susiana versetzt; vielen scheint endlich die Niederlassung in der Hauptstadt und Landschaft Babylonien gestattet worden zu sein. Die am oberen Tigris und im östlichen Susiana Angesiedelten befanden sich in der gleichen Erwerbslage wie die assyrischen Exulanten^auch sie dürften sich zu einem großen Teil dem Handel zugewandt haben. In ein ausgesprochenes, blühendes Handelszentrum-waren jedoch die nach dem oberen und mittleren Euphrat und der Landschaft und Hauptstadt Babylonien Verbannten hineinversetzt. Es war ein durch fruchtbaren Boden und sorgsamste Kultur, einen sehr entwickelten weitverzweigten Gewerbefleiß und einen äußerst lebhaften Innen- und Außenhandel ausgezeichnetes Gebiet0). Genug: Wir müßten den Übergang der Verbannten zur Handelstätigkeit schon aus innerer Wahrscheinlichkeit annehmen, besäßen wir nicht obendrein eindeutige Zeugnisse dafür. Der große Reichtum vieler Exulanten (vgl. Esra 1, 4, 6; Sacharia 6, 10—11) ist, wie Grätz richtig bemerkt; auf Handelstätigkeit zurückzuführen. Was aber bis dahin als mehr oder weniger fundierte Vermutung ausgesprochen werden konnte, ist durch eine neuzeitliche Entdeckung aufs überraschendste zutage getreten. Der Indizienbeweis der gelegentlichen unklaren Hinweise in den biblischen Berichten wird durch die beredte Zeugenschaft der großen Anzahl von Handelsdokumenten just aus der Zeit der „zweiten Rückkehr" Esras und Nehemias erhärtet, die die Amerikanische Expedition zur Erforschung Babyloniens im Mai des Jahres 1893 in den Ruinen von Nippur entdeckte. 250 dieser Tontäfelchen-Inschriften wurden als vorläufiger Ertrag der genannten Expedition in zwei stättlichen Bänden von den Professoren Hilprecht und Clay unter dem Titel „Business Documents of Muraschu Sons of Nippuru herausgegeben» Die „Handelsdokumente" stellen regelrechte Geschäftsurkunden einer von einem Babylonier namens M.uraschu, seinem Sohne und Enkel hintereinander betriebene Großbankier- und Handelsfirma im Zeitraum von 60 Jahren (404—464) dar; der Text ist babylonisch (Keilschrift), während die Hülle zahlreicher Täfelchen die Namen der Signierten in aramäischer Sprache aufweist. (Ein neuer Beweis für die große Verbreitung des Aramäischen in Babylonien.) Man war nicht wenig überrascht, daß, im Gegensatz zu den 4000 ägyptisch-aramäischen Dokumenten aus der Zeit zwischen Nebukadnezar II. und Darius I. (485—604; die eigentliche Epoche des Exils), die nur wenige jüdische Namen aufweisen, die späteren Murascha-Urkunden überaus zahlreiche Judenu) Vgl. Herzfeld im obengenannten Werke, Kap. 12.

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