Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 2 (25.10.1917)
- Article
- Die neuhebräische Literatur
- Date
- 1917-10-25
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 gegebenen hebräischen Monatsschrift „Haschachar", dem repräsentativen Organ der neuen Bewegung. Auch als Dichter war Smolenski von großer Fruchtbarkeit und hoher Begabung, Seine im großen ganzen durchaus realistischen Romane „Die Vergeltung*4 („Hargemül"), „Hatoö bedarkö ha-chajim" („Der Irrende auf dem Lebenswege") „Kewmat-Chamor", „Gemul- Jescharim44, „Gaon wa-schewer44, „Ha-jeruschä", „Nekam Berit" geben ein umfassendes und, von unvermeidlichen Tendenzschilderungen abgesehen, durchaus treues Bild des materiellen und geistigen Lebens der jüdischen Ghettogesellschaft in Rußland in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Sie sichern ihm den ersten Platz in der hebräischen Dichtung dieses Zeitabschnittes, Als Smolenski 1885 starb, wurde sein Lebenswerk von einer Generation junger und begeisterter Epigonen fortgesetzt. Der „Haschachar" hatte seinen Schöpfer nickt zu tiberleben vermocht. Allein ein hervorragender Mitarbeiter desselben, Dr. J. L. Kantor, begründete im Jahro 1886 die erste hebräische Tageszeitung „Hajom" in Petersburg. Von diesem Beispiel angeregt, entstanden zu gleicher Zeit zwei andere hebräische Tageszeitungen, die „Hazefirau und der „Hameliz". Beide Blätter haben in der Folgezeit eine weit höhere Bedeutung gewonnen, als einer „Zeitung44 im westeuropäischen Sinne jemals zukam. Sie dienten als nationale Kulturzentren ersten Ranges, um die sich alle Strebenden und Kämpfenden im jüdischen Volke Jahrzehnte hindurch gruppierten. Während der „Hameliz'1 vor etwa einem Jahrzehnt einging, erscheint die „Hazefira44 noch heute in der polnischen Metropole. Ein anderer Haschachor-Kämpe, Elieser Ben-Jehuda (durch seinen „Thesaurus Totius Hebraitatis44 auch in der deutschen Gelehrtenwe.lt wohlbekannt), der im genannten Organ namentlich für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache eintrat, machte mit dieser Bestrebung ernst, indem er in seinem Hause das Hebräische zur Umgangssprache machte. Er gab auch in Jerusalem lange Jahre hindurch die Zeitung „Easchkafa" (später „Hazewi44 und „Ha-or") heraus, und als sie vor einigen Jahren einging, folgte ihr die in den Tagen der türkischen Revolution begründete „Hacherut44 („Die Freiheit41), die als Tageszeitung noch heute in Jerusalem erscheint. Ais hervorragende hubräische Schriftsteller und Dichter dieser Epoche müssen genannt werden: Mosche Löb Liiienblum, als - Publizist und Führer dem fast gleichaltrigen Smolenski kongenial, den er jedoch um fast ein Meiischenaiter überlebte, so daß ein bedeutender Abschnitt seines Schaffens und Wirkens bereits der jüngsten Zeit angehört. Ferner als Romancier von hoher Begabung und durchaus modernrealistischer Richtung Kotlven-Aschßr Braudes (geb 1851 in Wilna^ gest. 1802 in Wien). Als Darsteller ist er Smolenski zweifelsohne überlegen. Seine Werke, obgleich von Aufklärungstendenzen erfüllt, stehen auf der Höhe moderner realistischer Kunst. Von seinen Werken sind namentlich sowohl hinsichtlich ihrer künstlerischen Bedeutung wie ihres revolutionierenden Ideengehaltes, „Ka-dat we4ia-chajim" („Religion und Leben44) und „Schote ha-keza>wdt" („Zwei Extreme44) hervorzuheben. Ein