Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 2 (25.10.1917)
- Article
- Die neuhebräische Literatur
- Date
- 1917-10-25
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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36 forschung (Jehuda ibn Chajug und Jona ibn Gannach) an. Die neue Epoche findet in dem sprachgewaltigen Werke des Maimonides (1135 bis 1204) und in der innig-kraftvollen, duftreichen Poesie des „Goldenen Zeitalters" auf der pyräneischen Halbinsel, deren Gipfelpunkt Jehuda H a 1 e w i ist, ihre höchste Vollendung. Darauf tritt in der schöpferischen Geistestätigkeil auf sprachlich-literarischem Gebiet eine lange Pause ein, die fast bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts dauert, obgleich auch die dazwischen liegenden Jahrhunderte gar manches bedeutendes Sprachwerk aufzuweisen haben. Namentlich Italien hatte im 15., 16. und 18; Jahrhundert bedeutende Forscher, Schriftsteller und Dichter in hebräischer Sprache hervorgebracht, so Rabbi Asaria di Rossi, Rabbi Eiiahu Bachur (dessen hebräische Kollegien Luther bei seinem Aufenthalt in Rom besuchte), Leon di Modena, Rabbi Josef Delmedigo, die Brüder Francis und der erste modern-hebräische Dichter von Bedeutung Moschö-Chajim Luzatto (1703—1797). Als den eigentlichen Zeitpunkt des Beginnes einer modernen Epoche in der hebräischen Literatur muß aber das .\ierte Dezennium des 18. Jahrhunderts bezeichnet werden. Im Jahre 1784 erfolgt die Herausgabe eines periodischen hebräischen „Sammelbuches" durch den um Moses Mendelssohn in Berlin gescharten Kreis # von aufklärungsbeflissenen hebräischen Schriftstellern und Dichtern. Die der Sache der Aufklärung gewidmeten „Meassfim" erscheinen ununterbrochen dreißig Jahre hindurch, von 1774—1811, abwechselnd in Berlin, Dessau und Breslau. Leiter und Hauptmitarbeiter der „Meassfim11 waren außer Mendelssohn selbst (der in den ersten Bänden mehrere Aufsätze anonym veröffentlichte) vornehmlich Nafthali Herz Wessely, Isaak Eichel und Baruch Lindau, beide aus Breslau. Zu den hervorragendsten hebräischen Dichtern dieser Epoche muß außer Wessely selbst, der den biblischen Stil in unvergleichlicher Meisterschaft beherrschte und ein Romantiker von echtem Schrot und Korn war, — namentlich David Franco Mendes aus Amsterdam (1713—1792), Freund und Schüler des Moses Ch, Luzatto, gezählt werden. Von den polnischlitauischen Schriftstellern dieser Epoche sind zu nennen: Salomon Maimon (der in Form eines Kommentars zu Maimonides „Mor& Nevuchim" eine kritische Geschichte der Philosophie und — wohl die 'erste außerdeutsche! — Darstellung des Kantischen Systems, schrieb), Saiomo Dubno (1735—1813), Jehuda Ben-Zew (1764—1811) und Jzchak Satanow (1732—1804). Zeitgenossen der Genannten sind in Italien der hebräische Lyriker Efraim Luzatto (1727—1792) und Samuel Ronagnoli, in Frankreich Eliah Chalf an (der eine schwungvolle Ode auf Napoleon schrieb). Die gesamte hebräische Literatur der Folgezeit, bis in die ersten Jahrzehnte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, steht im Zeichen der Aufklärung, der „Haskala". Auf den 1811 eingegangenen „Meassef" folgte eine Zeitschrift gleicher Tendenz unter dem Namen „Bikkreö hattim" im Wien (1820—1831), auf diese der „Kerem Chexned" (Wien, Prag und Berlin), nach diesen Eingaben die Kochbe-Izchak" (1845—1875). Außer diesen führenden hebräischen Organen der Zeit gab es noch eine ganze Reihe periodischer Zeitschriften, Als die hervorragendsten Männer dieser Aufklärungsliteratur sind zu nennen