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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 37

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Die neuhebräische Literatur
Date
1917-10-25
Page
Seite 37 (sequence 1)
Language
German
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37 Die neuheforäiscfoe Literatur Von Leo Rosenberg, Berlin X^^OjXas ist des Ostjuden Starke? Der Geist. Im Bereich der realen F^Sf^M Lebenserscheinungen geknechtet und niedergehalten, erfreut ©V^Vö er sich im Geistigen der stolzesten, ungehemmtesten Freiheit, die einem Menschen im Volke beschieden ist Er, auf allen Gebieten realer Lebensbetätigxmg zu einer Lückenbüßerrolle verurteilt, ist im Reiche des Geistes souverän und sich selbst genügend. Sein Geistesleben erfreut sich einer vollen Autonomie und Eigengesetzlichkeit. Eifervoll hat er dieses innere Leben vor jeder Trübung und Entäußerung bewahrt, während er sein irdisches Sein preisgab. Wurzellos und gebrochen war seine materielle Existenz, kraftstrotzend und voll urwüchsiger Eigenart — sein geistiges Schaffen. Die Kraft des geistigen Schaffens des Volkajuden fand ihre tiefste und reinste Äußerungsform in jener Sprache, die wie kein anderes dem Judentum eigenes Volksgut der tiefste und echteste Niederschlag seiner völkischen Eigenart, das unverfälschte Ebenbild der jüdischen Volkssoole ist — in der hebräischen. In allen anderen Formen und Bezirken seiner geistigen Lebensbetätigung Teilhaber und Fortbildender ist er hier Urzeuger und Alleinherrscher. Das einzig legitime Kind des Genius Israels ist diese Sprache und alles, was in ihrem Schöße geboren ist. Was der jüdische Volksgeist sonst aus sich hervorgebracht hat, ist die Frucht unentwirrbarer geistiger Kreuzungsprozesse. In dieser Sprache offenbarte und offenbart sich noch heute der Geist des geschichtlichen Judentums, dessen vornehmste Träger in der Gegenwart das Ostjudentum ist. So Fleisch vom Fleische und Blut vom Blute des Volkstums, hat diese Sprache auch alle Lebensschicksale dieses Volkstums geteilt. Gleich dem Volke hatte sie seit ihrer frühesten Jugend mit einem düsteren Geschick zu ringen; gleich diesem ward ihr aber die Unsterblichkeit zuteil. Der goldene Faden schöpferischer Entwicklung hat eigentlich niemals eine Unterbrechung erfahren. Seit ihrer ersten Schaffeneperiode, der stolzesten und folgenschwersten, die die Geschichte des Geistes kennt, der biblischen, hat der Quell der schöpferischen Kraft der hebräischen Sprache nicht mehr zu sprudeln aufgehört Auf die biblische Schaffensperiode folgt, fast unmittelbar, die der M i s c h n a. Die Mischna, als Sprachphänomen an Größe und schöpferischer Kraft der Bibel kaum nachstehend, bezeichnet den Beginn einer neuen jahrtausendelang-, ja bis auf die Gegenwart vorherrschenden Phase sprachlicher Entwicklung. Auf das Mischnawerk folgt — und ist ihm zum Teil zeitlich verwandt — die köstlichste Frucht des neuen Sprachgeistes, die hebräische Agada, die erst im 6. Jahrhundert nach der ü. Z. völlig zu erlöschen scheint. Darauf folgen etwa fünf Jahrhunderte eines Scheintodes, Erst im 11. Jahrhundert kündigt sich eine neue Schaffens epoche mit den ersten bedeutungsvollen Leistungen auf dem Gebiete der hebräischen Sprach-

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