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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 29

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Das neue polnische Schulgesetz und die Juden
Date
1917-10-25
Page
Seite 29 (sequence 3)
Language
German
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29 A n t w o r t : Diese Frage kann ich nicht beantworten, da ich nicht ermächtigt bin, über den Standpunkt der polnischen Behörden zu diesen Fragen etwas zu verlautbaren. Ich kann nur erklären, daß die polnischen Herren sofort bereit waren, die ihnen notwendig erscheinenden Bestimmungen in das polnische Schulgesetz aufzunehmen. Dadurch wurde es uns sehr erleichtert, den Standpunkt völliger Neutralität einzunehmen. Wenn das jüdische Schulwesen in Polen doch nicht als jüdisch-nationales ausgebaut wird, dann ist es auch politisch logischer, wenn kein deutsches Gesetz, sondern ein pohlisches die entsprechenden Bestimmungen über die jüdischen Schulen enthält. Ich bin gewiß, daß jede Schutzbestimmung, die Deutschland zu Gunsten der jüdischen Schulen erlassen hätte, die polnischen Politiker in ihrem nationalen Empfinden gereizt hätte, und halte es für besser, daß nun die polnische Gesetzgebung die Bestimmungen über die jüdischen Schulen geschaffen hat. In der Sache selbst bestimmt das polnische Schulgesetz, daß das private Schulwesen weitgehendste Freiheit genießt, öffentliche Schulen müssen für die Kinder aller Konfessionen errichtet werden. Das polnische Schulgesetz bestimmt insbesondere, daß jüdische öffentliche Volksschulen mit Sabbatruhe errichtet werden. Bis das öffentliche Schulwesen vollständig ausgebaut ist, ist an Chederschulen Elementarunterricht auf Kosten der politischen Gemeinden einzuführen. F r a g e : Halten Sie eine glückliche Entwicklung des jüdischen Schulwesens auf der jetzt geschaffenen Grundlage für möglich? Antwort: Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, weil sie das künftige Verhältnis zwischen Polen und Juden im Königreich Polen betrifft. Ich kann nur soviel sagen, daß ich kein Theoretiker bin. Mir ist die Hauptsache, daß in genügender Anzahl jüdische Schulen geschaffen werden. Ich habe den Eindruck, daß man aus politischen Gründen der Frage, welche Unterrichtssprache an den Schulen herrschen soll, eine viel zu große Bedeutung beigemessen hat. Dabei kommt in Betracht, daß die Anhänger aller Richtungen darüber klar sind, daß die Schule die jüdischen Kinder zur vollständigen Beherrschung der polnischen Sprache führen muß. Meines Erachtens müßten allerdings die jüdischen Schulen in Polen auf die Eigenart der jüdischen Bevölkerung Rücksicht nelimen. Dabei denke ich nicht nur an die Sabbatruhe und einem ausgedehnten, dem religiösen Bedürfnis der Masse entsprechenden Religionsunterricht, sondern auch daran, daß die jüdischen Schulen vor allen Dingen die Aufgabe haben müßten, die jüdische Jugend körperlich zu tüchtigen Menschen zu machen. Gerade an den jüdischen Schulen in Polen scheint mir ein ausgedehnter Handwerksunterricht und Turnunterricht eine dringende Notwendigkeit zu sein. Man wird die jüdischen Schulen in Polen nicht einfach nach einer allgemeinen Schablone einrichten dürfen; man muß Rücksicht nehmen auf die außerordentlich großen Unterschiede des Milieus, aus denen die christlichen und die jüdischen Kinder kommen. Vor allem liegt es in gleicher Weise im Interesse des polnischen Staates wie im Interesse der jüdischen Bevölkerung, die jüdische Jugend, die vielfach körperlich degeneriert ist, körperlich zu stärken und sie dadurch zu produktiven Erwerbs-

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