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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 28

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Das neue polnische Schulgesetz und die Juden
Date
1917-10-25
Page
Seite 28 (sequence 2)
Language
German
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26 wcsen zugestanden hätte. Alle polnischen Politiker lehnen eine Anerkennung der polnischen Juden als besondere Nationalität schroff ab. Selbst die äußerste sozialdemokratische Linke, die bei Wahlen gelegentlich Kompromisse mit dem Jüdischen Bund geschlossen hat, steht jüdisch-nationalen Gedankengängen schroff ablehnend gegenüber. Frage: Hätte man nicht dann einfach die Übergabe des Schulwesens an die Polen scheitern lassen können? Antwort: Vom Standpunkt der deutschen Politik konnte man unmöglich den weiteren Ausbau des polnischen Staates um deswillen unterlassen, weil man sich über diese Streitfrage, die seibat in jüdischen Kreisen in Polen zu lebhaften Kämpfen geführt hat, nicht hätte einigen können. Was hätten im übrigen die jüdischen Schulen davon gehabtV Es wäre aber auch für die jüdische Bevölkerung in Polen ein Unglück gewesen, wenn an dieser Frage die Fortführung der bisherigen Politik gescheitert wäre, so-daß man in Polen dio Juden als ein störendes Element in der Weiterentwicklung zum polnischen Staat empfunden hätte. Frage: Hätte man nicht einen Schutz des jüdischen Schulwesens in der Weise schaffen können, daß man die jüdischen Schulen als Schulen einer konfessionellen Minderheit behandelt hätte? Antwort: Wie schon bemerkt, erstrecken sich die allgemeinen Bestimmungen des Gesetzes über religiöse Minderheiten auch auf die Juden. Ursprünglich trug sich die deutsche Verwaltung mit dem Gedanken, darüber hinaus noch besondere Bestimmungen im Interesse des jüdischen Schulwesens in das Gesetz aufzunehmen. Es war ihr aber dann durch Veröffentlichungen, insbesondere in der zionistischen Presse, klar geworden, daß man auch mit weitgehenden Schutzbestimmungen auf dieser Grundlage doch nicht zufrieden gewesen wäre; man hätte sie als einseitige Parteinahme gegen die zionistische und nationalistische Politik, Andererseits wären auch die Assimilantcn mit dieser Lösung nicht zufrieden gewesen, weil sie keinerlei Einmischung der deutschen Verwaltung in die Angelegenheiten des polnischen Judentums wünschen und alles der Souveränität polnischer Instanzen überlassen wollen. Bei dieser Sachlage mußte sich die deutsche Verwaltung für völlig neutral erklären. Die Frage, ob das polnische Judentum als nationale oder als konfessionelle Minderheit zu behandeln ist, will und kann Deutschland nicht entscheiden; sie bleibt den Auseinandersetzungen zwischen Polen und Juden überlassen; Deutschland kann dem künftigen polnischen Staat nicht einen bestimmten Standpunkt in dieser Frage aufzwingen; das ist den Polen gegenüber unmöglich; es war aber auch weiten jüdischen Kreisen gegenüber, die an eino Lösung der Judenfrage in Polen auf jüdischnationaler Basis nicht glauben, völligo Neutralität geboten. Im übrigen gibt es auch Nationalisten und Zionisten, die eine Einmischung der deutschen Verwaltung in diese heikle Frage für durchaus unerwünscht halten. Frage: Waren die polnischen Unterhändler bereit, alles zuzugestehen, was von deutscher Seite zum Schutze der jüdischen Schulen als konfessionelle Minderhoitsschulen verlangt wurde?

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