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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-10 · Heft 1 (10.10.1917) · p. Seite 15

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 1 (10.10.1917)
Article
Über die Prophetie [Rezension]
Date
1917-10-10
Page
Seite 15 (sequence 11)
Language
German
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15 und darum für jedes allgemeinen kulturgeschichtlichen und philosophischen Wertes bar erklUrt. Die prophetische Ethik, sagt Troeltsch etwa, ist lediglich die beschränkte Nachbarethik einer primitiven Bauernsippe; sie ist unlösbar an die jüdische Gemeinschaft gebunden und steht und fällt mit dieser; darum kann sie weder einem höheren Individualismus noch einer höheren Menschheitsidee dienen« Gegenüber solchen und ähnlichen Sätzen, die alle bisher von der Prophetenforschung erarbeiteten Ergebnisse umwerfen, weist Kellermann zunächst die Unzulänglichkeit der von Troeltsch angewandten religionspsychologischen Methode nach (ein Nachweis, dessen Wiedergabe hier zu weit führen würde). Weiter aber untersucht er positiv Schritt für Schritt die „prophetische Ethik1* nach Form, Inhalt und Reichweite. Er zieht hierbei, und mit Recht auch Deuteronomium, Hiob und die Psalmen heran, weil diese Schriften Auswirkungen der prophetischen Ethik darstellen. Als Prinzip der prophetischen Moral erkennt Kellermann (S. 13—18) die Gleichheit des Menschen vor G o 11. Er erweist sie mit bündigen Belegen an den Begriffen des Ger („Fremdling'4) und Rea („Nächster"), in ähnlicher Weise, wie es jüngst N e u b a u e r in seiner Schrift „Bibclwissenschaftlichc Irrungen" (Berlin 1917, Verlag Louis Lamm) getan hat. Weiterhin widerlegt er (S. 18—25) die Behauptung Trocltsch's, daß die prophetische Ethik, die nur die Ethik Israels ist. Recht, Moral und kultische Sitte in völliger Ungeschiedenheit und Gleichwertigkeit nebeneinanderstellt. Vielmehr zeigt er an der Hand bekannter Stellen (vor allem Arnos 5,21 ff.; Hosea 6,6; Jesaja 1,10 ff.: Micha 6,8; .leremia 7,21 usw.), daß die gesamte klassische Prophetie die Sittlichkeit aus der Sphäre der Kultreligion herausgehoben und in scharfem Gegensatz zu dieser als das einzig Verpflichtende hingestellt hat. Ganz ausgezeichnet ist der Abschnitt „Nationalismus und Universalismus" (S.25—30). Die Auserwählung Israels faßt Kellermann, genau •wie wir es oben ausgeführt haben, nicht als historisches Faktum oder Privileg, sondern als sittliche Forderung und erhöhte Verantwortlichkeit (S. 25). Bis ins Tiefste greift er in der Feststellung des prophetischen Gottesbegriffs. Die Propheten interessiert von Gott nur, wan er will, nicht, was er ist (S. 26). Entscheidend ist die oben schon angeführte Stelle aus Jcremia (22,16): Recht tun heißt Gott erkennen. Daher schließt Kellermann richtig: In der prophetischen Religion ist Gott und Sittlichkeit nicht nur eine Einheit, sondern identisch (S. 29). In diesem sittlichen Ideal, das durch die Verbindung mit der Gottheit in unerreichbare Höhe und Ferne gerückt ist (wie jedes Ideal!), liegt der höchste denkbare Universalismus. Der jüdische Nationalismus findet in ihm sein Korrelat; er verbindet sich mit ihm durch die Idee des Messianischen Zeitalters. Wie wenig die Propheten national beschränkt dachten, zeigt schlagend die einfache Tatsache, daß viele ihrer größten den Untergang ihres Volkes weissagten (S. 36). Übergehen können wir die Darstellung der Ethik des Deuteronominums (S. 36—44). Dagegen bedarf es noch einiger Worte über Keller-

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