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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-10 · Heft 1 (10.10.1917) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 1 (10.10.1917)
Article
Über die Prophetie [Rezension]
Date
1917-10-10
Page
Seite 13 (sequence 9)
Language
German
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und in den apokalyptischen „Gesichten" der jüngsten das Grundphänomen sehen zu müssen — eine Auffassung1, die wir bereits abgelehnt haben. Sie führt ihn dazu, daß er z. B. auch in der Vision des Arnos vom Herbstobst (Arnos 8, 1) und des Jeremia vom Mandelzweig (Jer. 1, 11) das Bild für ein nur geistig gescliautes erklärt, während in Wirklichkeit grade das tatsächliche Erlebnis die Grundlage der Vision gibt, das „Visionäre" aber nur in 'der Verknüpfung und Benutzung des sich darbietenden Symbols liegt. Was der Prophet ab „die Hand Gottes", „das Wort Gottes" anspricht, ist nicht das Erlebnis an sich, sondern die blitzgleich aufschießende besondere Assoziation, die sich ihm daran schließt. Es kann uns also nicht wundernehmen, daß Gunkel zum Beleg seiner Ausführungen oft auf Ezechiel zurückgreift; aber Duhm hat mit Recht darauf hingewiesen, wie stark die von Ezechiel geschilderten seelischen Vorgänge ins Gebiet des Krankhaften hinüberspielen, während bei den echten Propheten davon keine Rede sein kann. Sehr zu begrüßen ist aber die nüchterne Vorsicht, mit der Gunkel am Ende dieses Abschnittes die ekstasischo Form hinter den geistigen Inhalt der Prophetie zurücktreten läßt (S. 29), und mit der er den erfüllten Weissagungen, über denen so viele alles andere übersehen, den Hinweis auf die zahlreichen unerfüllt gebliebenen gegenüberstellt. Das zweite Kapitel behandelt „die Politik der Propheten". Dieses halten wir für das schwächste des Buches. Das liegt wohl vor allein daran, daß — die Propheten eben keine Politiker waren. Bei dem Versuche, sie doch als solche zu werten, verfällt Gunkel in die gewaltsamsten Unikonstruktionen der Geschichte (vgl. S. 41, 43, 57). Die Propheten haben nie nach politischen Motiven gehandelt, sondern sittliche Motive in die Politik einführen wollen. Deshalb kann es z. B. nie gelingen, einen einheitlichen politischen Gesichtspunkt in die von Extrem zu Extrem springende Handlungsweise Jesajas zu bringen. Für verfehlt müssen wir auch G u n k e 1 s Gedanken halten, daß neben der Unheilprophetie dauernd eine starke Heilsprophetie einhergegangen sei, deren Vertreter wir als echte Propheten werten müßten, die aber nur nicht die Aufnahme in den Kanon erreicht haben. Demgegenüber hat zweifellos Duhm recht; und die unanfechtbare Autorität eines Jeremia (28, 8) lehrt, daß er selbst die Heilspropheten nicht anerkannt hat. Aber hat nicht grade Jeremia auch Heilsweissagungen hinterlassen (29, 11—14; 31, 15, 19, 20; 32, 15)? Das ist besonders lehrreich: Der echte Prophet maß immer gegen den Strom schwimmen; Heil darf er erst weissagen, wenn alles im vollendeten Unglück verzweifelt. Damm sind er und Deuterojesaja echte Propheten, aber. Hananja (Jer. 28) oder die Ahabs-Propheten (I. Kön. 22, 6) sind es nicht. Im Abschnitt „Die Religion der Propheten44 gibt Gunkel eine im ganzen ausgezeichnte Darstellung der Inhalte der Prophetie. Störend ist liier nur die in der bibelkritischen Schule zum Schema und Dogma gewordene Auffassung vom „nationalen Gott". Der Gottesbegriff aller klassischen Propheten, vom alten Arnos bis zum Dichter der Ebed-

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