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Neue jüdische Monatshefte · 1917-09-10 · Heft 23-24 (10.9.1917) · p. Seite 698

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 23-24 (10.9.1917)
Article
Am fremden Strom
Date
1917-09-10
Page
Seite 698 (sequence 4)
Language
German
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695 wo ihm der Herr erschienen war, wie es im Chumesch steht . . , Da standen Juden und brachten ihre Opfer dar . . Sie kamen hierher gepilgert.. . . Soviele Juden aus weiter- Ferne kamen hier zusammen und brachten allerlei Dinge mit, und eine Staubwolke erhob sich über den Gassen Jerusalems . . . Und da steht eine Mauer, und noch eine Mauer. Ich sehe sie mit eigenen Augen: da stehen Juden und weinen und beten zum Heiligen, gepriesen sei Er . . . . . . Ach Gott, wenn ich wenigstens etwas Erez-Isroel-Erde mit ins Grab bekommen könnte. Und der Alte sitzt auf dem Balken und schaut auf das Wasser. Da fließt das Wasser, und da steht die hölzerne Brücke . ... Und da geht die Straße vorbei, die nach Lonkeschin zum Gut des alten Grafen führt, bei dem er jedes Jahr die Schafwolle abkauft. Von dieser Straße aus kann man das ganze Städtchen überblicken: es liegt auf: dem Hügel und schaut ins Wasser hinab. Und er hört, wie der Enkel mit leiser Stimme weiter erzählt: „Siehst du, Großvater, unsere heilige Erde blüht wieder auf, unsere Brüder bearbeiten sie mit - ihrem Schweiß und ihrem Blut . . Und der Alte schaut aufs Ufer; eine Welle rollt über den Kies. Das ist das Wasser des Städtchens . . . Seit Ewigkeiten fließt es so dahin . . . Dort vor dem Hause des Rows ist damals Lejbisch ertrunken, Lejbischs Körper hat sich im Wasser aufgelöst, da ist sein Grab, Lejbisch wurde zu einem Teil des Wassers, zu einer Welle'... . Und es scheint ihrft, daß jede Welle, die über den Strand rollt, Lejbisch ist . . . Lejbisch und seine Spielgenossen schwimmen dort in der Ferne ... In weiter Ferne . . . Manchmal ghmbt er im Rauschen des Wassers Lejbisch's klagende Stimme zu hören ... Da kommt eine Welle heran, sie läuft über den Strand — Lejbisch grüßt und schwimmt wieder zurück ... In weite Ferne . . . Dort zieht er hin . . . Der Alto wirft einen Blick auf den- Enkel: ein Feuer leuchtet in seinen Augen, sein Herz pocht, seine Stimme zittert . . . Und er erzählt still wie ein junger Held, der soeben aus dem Kriege heimgekehrt is\. „Auf den Feldern Zions stehen schon unsere Brüder und schallen unsere Lieder . . „Wie schauen dort die Felder aus? Ebenso wie die hiesigen?" fragt der Alte. „Ist es dasselbe Getreide? . . „Ja, genau wie hier", antwortet der Enkel. „Unsere Felder sind es,*! sagt er mit Feuer, „dort bestellen unsere Brüder die Felder, die Ähren, die dort wachsen, die Gräser, die Bäume, alles haben unsere Brüder gepflanzt, es ist ihre Arbeit, ihr Getreide . . „Ich glaube, es gibt dort auch einen Fluß . . . Wie heißt er?" „Wir haben ja unsern Jordan, unsern lieben Jordan, der das ganze Land durchzieht ... An seinen Ufern haben unsere Brüder die Erde gepflügt und auf sein Wasser geschaut, das in die Ferne dahinfließt..

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